Deutsche wollen mehr Bestattungen ausserhalb des Friedhofs.
In diesem Jahr hat der Bundesverband Deutscher Bestatter eine Umfrage zur Bestattungsbranche mit dem renommierten Meinungsforschungsinstitut TNS-Emnid durchgeführt. Ziel war, die Meinung der Öffentlichkeit zu Fragen der Bestattungsbranche kennenzulernen und zu erfahren, was Menschen über das Thema Bestattungsvorsorge wissen. Die Ergebnisse sind aufschlussreich.
TNS-Emnid-Umfrage 2008 zur Bestattungsbranche
Deutsche wollen mehr Bestattungen ausserhalb des Friedhofs.
Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.
Schlagworte
Information Öffentlichkeit Religion Familie Bestatter Handwerk Umfragen Leben Fachverband Prognose Kommentar
An der Umfrage haben 1.001 Personen teilgenommen, davon 48% Männer und 52% Frauen. Vertreten sind die Altersgruppen der 14 bis über 70-jährigen mit einer repräsentativen Streuung. Die Schulbildung der Befragten reicht von Schülern (6%) über Volksschule ohne Lehre (7%), Volksschule mit Lehre (35%), weiterbildende Schule ohne Abitur (33%) bis zu Abitur und Studium (19%). Gut die Hälfte der Befragten ist berufstätig, die andere Hälfte setzt sich aus Rentnern, Auszubildenden, Schülern und Studenten zusammen.
Die Umfrage ist repräsentativ sowohl was die Streuung von Alter, Geschlecht und Bildungsniveau angeht, als auch hinsichtlich der Streuung des Einkommens, der Größe des Haushalts und der Einwohnerzahl des Wohnorts der Befragten (unter 5.000 bis über 500.000). 80% der Befragten stammen aus den alten und 20% der Befragten aus den neuen Bundesländern, proportional zu den faktischen Bevölkerungsverhältnissen in Deutschland.
Wichtig für das Ergebnis der Auswertung ist, dass 95% der Befragten schon einmal einer Beerdigung beigewohnt haben, so dass die Aussagen auf eigener Erfahrung beruhen.
Bestattungsarten
Erdbestattung und Feuerbestattung kennen fast alle Befragten. Von einer anonymen Beisetzung haben aber nur 75% schon einmal gehört. Im Folgenden sind die bei der Befragung vorgegebenen Antworten in absteigendem Bekanntheitsgrad aufgeführt:
- Seebestattung 86%
- Verstreuung der Asche 79%
- Bestattung im Wald am Fuße eines Baumes 54%
- Weltraumbestattung 44%
- Beisetzungskirche, die wie Kolumbarien genutzt wird 34%
- Luftbestattung, Asche aus einem Heißluftballon verstreut 32%
- Diamantbestattung, Asche zu einem Diamanten gepresst wird 31%
- Kolumbarien, in denen die Urnen beigesetzt werden 30%
An dem Ergebnis lässt sich unter anderem ablesen, dass der Medienrummel um Randphänomene wie Weltraumbestattung, Luftbestattungen oder Diamantbestattung dazu beiträgt, dass diese Bestattungsarten relativ bekannt sind im Gegensatz zu ihrer Nutzung, die unter 1% bei circa 850.000 Beisetzungen pro Jahr liegt.
Auf die Frage, ob sich die Menschen vorstellen könnten, sich außerhalb eines Friedhofs beisetzen zu lassen, antwortete mehr als die Hälfte der Befragten mit „ja“.
ja 57%
nein 40%
keine Angabe 3%
Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass einer der traditionsreichsten Bereiche menschlichen Lebens hinsichtlich der Rituale und Wertvorstellungen in einem starken Umbruch begriffen ist.
Kirchlicher Ritus
Die Hälfte aller Befragten wünscht sich nach wie vor eine Bestattung mit kirchlichem Ritus. Unterscheidet man nach neuen und alten Bundesländern, fällt auf, dass in den neuen Bundesländern nur knapp 30% einen kirchlichen Ritus wünschen. Insgesamt liegt der Anteil der Frauen, die Wert auf eine kirchliche Trauerfeier legen, mehr als zehn Prozentpunkte höher als bei Männern.
Anonyme Bestattung
Die Frage „Könnten Sie sich vorstellen, Ihre nächsten Angehörigen anonym bestatten zu lassen?“ wurde von 65% der Befragten mit „nein“ beantwortet und nur 33% mit „ja“. Je geringer die Schulbildung ist – unabhängig vom Einkommen – desto eher können sich die Menschen nach der Befragung eine anonyme Beisetzung vorstellen. Vergleicht man die Gruppe der unter 30-jährigen (21% ja) mit der Gruppe der 50 bis 59-jährigen (39% ja), entsteht der Eindruck, dass die Zustimmung bei älteren Menschen steigt, weil sie die Frage der Zumutbarkeit der Grabpflege durch die Angehörigen oder auch der Aspekt der Kosten stärker belastet.
Als größten Nachteil bei einer anonymen Beisetzung führen 37% der Befragten an, dass es keinen Ort der Trauer gibt, der Frauen (40%) wichtiger zu sein scheint als Männern (34%). Interessanterweise spielt die Tatsache, dass Eheleute nicht gemeinsam beigesetzt werden können, fast keine Rolle bei den Nachteilen der anonymen Beisetzung. Auch dass die Angehörigen bei der Beisetzung nicht dabei sind, empfinden nur 12% der Befragten als Nachteil.
Als Gründe für die Entscheidung für eine anonyme Beerdigung führen die meisten Befragten (87%) an, dass es keine Angehörigen mehr gibt, die sich um das Grab kümmern können. 76% geben an, dass die Angehörigen nicht mit den Grabpflegekosten belastet werden sollen und 41% vermuten, dass Orte des Gedenkens keine Bedeutung mehr für die Menschen haben. Fast eben so viele Menschen (39%) geben an, dass die Bestattung als Übergangsritual zwischen Diesseits und Jenseits keine tiefere Bedeutung mehr hat und 35% meinen sogar, dass keine sichtbaren Spuren mehr zurückbleiben sollen.
Bestattungswünsche
Auf die Frage, welche der folgenden Möglichkeiten den eigenen Vorstellungen einer Bestattung am nächsten kommt, wurden folgende Antworten gegeben:
Feuerbestattung 39%
Erdbestattung 33%
Wie ich beerdigt werde, sollen die Hinterbliebenen bestimmen 19%
Mein Leichnam soll für die medizinische Forschung zur Verfügung stehen 7%
weiß nicht, keine Angabe 2%
72% der Befragten wissen, ob sie sich eine Erd- (39%) oder Feuerbestattung (33%) wünschen. Fast 20% wollen diese Entscheidung ihren Angehörigen überlassen, in den neuen Bundesländern sogar fast 30% – sei es aus Gleichgültigkeit, sei es, weil sie sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen wollen.
Fast die Hälfte derjenigen, die sich heute für eine Feuerbestattung (39%) entscheiden würden, wünschen, dass die Urne auf einem Friedhof beigesetzt wird. Der Wunsch nach einer Seebestattung ist interessanterweise bei Menschen unter 30 am stärksten verbreitet.
Eine anonyme Beisetzung wünschen sich explizit 14% der Befragten.
Diamantpressung und Eventbestattungen wie Weltraum- oder Luftbestattung können mit 1 bis 3% als Randphänomene betrachtet werden.
Auf die Frage, ob schon einmal mit Angehörigen oder Freunden über die eigenen Bestattungswünsche gesprochen wurde, antwortete knapp die Hälfte der Befragten, die eine Vorstellung von der eigenen späteren Bestattungsform haben, dass sie das noch nie getan haben. Die Auseinandersetzung nimmt mit zunehmendem Alter deutlich zu. So haben 44% der 30 bis 39-jährigen und 69% der über 60-jährigen, die eine Vorstellung von der eigenen späteren Bestattungsform haben, darüber bereits mit anderen gesprochen.
Dr. Kerstin Gernig
Bundesverband Deutscher Bestatter e.V.
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