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Neuer Streit. Pius-Bruderschaft weiter ohne Einsicht.

erstellt von Jack Hauswald zuletzt verändert: 07.02.2009 02:36

Die Priesterbruderschaft Pius X. bleibt offenbar auf Konfrontationskurs zur katholische Kirche. Trotz der Suspendierung durch den Vatikan plant die Gruppe anscheinend neue Priesterweihen. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Zeitung habe einer der vom Papst begnadigten Bischöfe, der Schweizer Bernard Fellay, für Ende Juni neue Priesterweihen angekündigt.

Der Bischof, der diese Weihen durchführt, könnte sich dadurch laut Kirchenrecht automatisch wieder die Exkommunikation zuziehen. Fellay ( i. Bild ) ist Leiter der Bruderschaft, in der sich die Anhänger des abtrünnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre sammeln. Bereits am Sonntag soll Fellay in der Nähe von Regensburg auch schon so genannte „niedere Weihen“ vorgenommen haben. Die Angaben der Zeitung sollen an diesem Nachmittag von der Bruderschaft bestätigt worden sein.
Fellay ist wie die anderen drei Traditionalisten-Bischöfe weiterhin vom priesterlichen Dienst in der katholischen Kirche suspendiert. Die Piusbruderschaft ist vom Vatikan nicht anerkannt. Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung als Zeichen dafür, dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe sei ein Akt „bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes“. Der Münsteraner Kirchenrechtler Klaus Lüdicke bezweifelte, dass es den Traditionalisten tatsächlich um eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche gehe. Mit der Rücknahme der Exkommunikation hätten sie vielmehr den Wegfall eines Hemmnisses erreicht, das ihnen den Zulauf ultrakonservativer Katholiken bisher erschwert habe.
Unterdessen nahm der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft, Franz Schmidberger, den Ausdruck „Kinderschänder“ für den Propheten Mohammed „mit großem Bedauern“ zurück. Zur Begründung betont Schmidberger in einer Erklärung, diese Wortwahl sei geeignet, „Muslime in ihren religiösen Gefühlen zu verletzen“. Mit einem Statement, das an diesem Freitag veröffentlicht wurde, setzt sich Schmidberger außerdem gegen viele verzerrende Berichte über die Priesterbruderschaft zur Wehr. Es sei zu manchmal geradezu bösartigen Angriffen gekommen.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy ist schockiert über die Leugnung der Shoah durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson. Es sei „unerträglich und unfassbar“, dass solche Äußerungen „im 21. Jahrhundert noch möglich sind“, meinte Sarkozy im französischen Fernsehen. (ansa/afp/kna/rv)

 

Lefebvrianer: Ein eher rechtes Weltbild
Wer sind die Pius-Brüder, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie, wofür stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den unsäglichen Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Jozef Niewiadomski ist Professor für Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakultät an der Universität Innsbruck. Er will nicht alle Lefebvre-Anhänger unter rechtsextremen Generalverdacht stellen.
Dazu sagte er:

 

„Es ist aber sicher so, dass das Weltbild der Pius-Bruderschaft, gestärkt vor allem durch einzelne Aussagen von Erzbischof Marcel Lefebvre und die späteren Veröffentlichungen, doch ziemlich in rechte Kreise bis hin zu rechtsradikalen Kreisen hineinreicht. Ich würde schon sagen, dass es in der Pius-Bruderschaft immer noch die Ideen gibt, die moderne Prinzipien wie Menschenrechte, wie Toleranz, wie Achtung vor jedem anderen Menschen – auch anderen Religionen – ablehnen, und den extremen Antisemitismus. In den letzten Jahren hat man immer wieder einzelne Mitglieder der Pius-Bruderschaft auch im Kontext von rechtsgerichteten politischen Gruppierungen gesehen, etwa bei Le Pen. Ich finde, die ganze Auseinandersetzung macht uns auf irgendetwas sehr deutlich aufmerksam...“

 

Die Debatte dieser Tage findet Niewiadomski letztlich heilsam: Sie mache darauf aufmerksam, dass das Thema Lefebvrianer nicht nur liturgische, sondern auch politische Facetten habe. Eine volle Rückkehr der Pius-Bruderschaft in die Kirche vermag er sich nicht ganz vorzustellen.

 

„Als gläubiger Mensch sage ich: Man soll dem göttlichen Geist keine Grenzen setzen und an die Bekehrungsbereitschaft und -fähigkeit eines jeden glauben. Wenn ich mir allerdings die ersten Reaktionen anschaue, die auf die Aufhebung der Exkommunikationen von einzelnen Mitgliedern der Pius-Bruderschaft bereits gekommen sind und den Tenor haben ,Nicht wir werden umdenken, sondern wir werden dazu beitragen, dass die Kirche umdenkt’ – dann bin doch ein bisschen skeptisch.“ (rv)
Hier zum Nachhören

 

Vatikan: Kardinal Kasper „versteht Besorgnis“
Kurienkardinal Walter Kasper versteht die Besorgnis vieler Juden angesichts der derzeitigen Debatte über Vatikan und Traditionalisten. Das sagte er in einem Gespräch mit der Schweizer jüdischen Zeitschrift „Tachles“, das an diesem Freitag veröffentlicht wurde. Es gebe „wachsenden Antisemitismus, aus verschiedenen Gründen allerdings“. Was die Einstellung der Kirche angehe, handle sie aber klar auf dem Boden des Konzils und wolle „die Versöhnung mit den Juden“. Kasper wörtlich: „Papst Johannes Paul II. nannte den Judenhass eine Sünde gegen Gott. Auch beim gegenwärtigen Papst gibt es keinen Zweifel an seiner Einstellung“. Kasper, der den vatikanischen Einheitsrat leitet, betont, für ihn sei „eindeutig und klar, dass es keinen Bischof, der in der katholischen Kirche ein Amt ausübt, geben darf, der den Holocaust leugnet“. Er fährt fort: „Diese ganze Debatte bedrückt mich, und ich versuche alles, um den Faden der Diskussionen nicht abreißen zu lassen.“ Zu einer möglichen Papstreise nach Israel meint der Kardinal, aus seiner Sicht sei eine solche Visite „gerade jetzt notwendig“. Er sei „sehr traurig, dass sich das Bild der Kirche verdunkelt hat durch diese undiskutable und dumme Äußerung von Richard Williamson.“

 

Deutschland: Genn fragt „Wes Geistes Kind seid ihr?“
„Mit dem, was am Leidvollsten ist“ hat der ernannte Bischof von Münster, Felix Genn, seine erste Pressekonferenz an diesem Freitag dort begonnen: mit diesen „unseligen – eigentlich unter meiner Würde sie zu kommentieren – Äußerungen zum Holocaust“.
Der Papst habe in der Frage des Verhältnisses zum Judentum „so viele Zeichen gesetzt“,

 

„dass man überhaupt nicht daran denken kann, dass er ein Antisemit ist, oder die Beziehungen zum Judentum kappen will. Wenn er nach Israel fahren sollte, wird es sicher noch einmal einen starken Akzent in dieser Richtung geben.“

 

Er sei überzeugt, so Genn,

 

„dass Benedikt nichts von den Äußerungen Williamsons gewusst hat“.

 

Im Vatikan müsse man sich jetzt fragen, wie es dazu kommen konnte, dass „das Image des Papstes und des Papsttums so angegriffen“ wurde. Der Leiter einer Behörde müsse sich auf den Dienst seiner Mitarbeiter verlassen können.

 

„Ich leite ja selbst eine Behörde und weiß ja auch nicht alles, was in meinen Abteilungen geschieht. Ich muss ja auch gar nicht alles wissen, sondern ich verlasse mich darauf, dass meine engsten Mitarbeiter ihre Verantwortungsbereiche wahrnehmen und zwar ordentlich wahrnehmen und dass mein Dienst als Bischof nicht beschädigt wird.“

 

Die Holocaust-Leugnung Williamsons habe ein „hochsensibles Kapitel“ berührt, „das in unserem Volk immer noch nicht aufgearbeitet ist“. Im Umgang mit der Piusbruderschaft müsse man jetzt die Frage stellen, „wes Geistes Kind seid ihr eigentlich?“ Genn bekennt, dass auch er sich bislang nicht intensiv mit den Positionen der Lefebvre-Anhänger auseinandergesetzt habe.

 

„Was da zu Tage tritt, habe ich in der Weise nicht gewusst, und das hat mich auch in der Weise nicht berührt. Ich habe gedacht, das sind Schismatiker... Aber jetzt, nachdem die Exkommunikation aufgehoben ist, müssen sie zeigen, dass sie wirklich so päpstlich sind, dass sie alle von einem Papst unterzeichneten Dokumente des II. Vatikanums auch anerkennen. Sie sagen ja, dass sie den Papst anerkennen, jetzt will ich sehen, was geschieht... Sie können ja nicht sagen, die einen Dokumente sind päpstlich, die anderen nicht.“

 

Der aktuellen – zunächst schwer verständlichen – Debatte kann der Bischof bei allem vordergründigen Schaden für das Ansehen der katholischen Kirche daher auch Positives abgewinnen. Sie kläre letztendlich die Stellung der Piusbruderschaft.

 

„Jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen. Das was ich jetzt von ihnen lese, ist so horrend – das kann auch dazu führen, dass man sagt, jetzt ist Schluss: Wir sind hier, und ihr bleibt da. Auch dazu kann es kommen. Dann ist der Schnitt aber eindeutig.“

 

Die bisherigen Äußerungen und Reaktionen der Piusbruderschaft trügen nicht zur Aussöhnung bei.

 

Vielleicht war es notwendig, dass das ganze Durcheinander hochkam, damit man jetzt sagen kann: ,Liebe Piusbruderschaft, ihr habt lange genug in der Ecke gestanden, wir sind euch jetzt entgegen gekommen, ihr habt um Aufhebung der Exkommunikation gebeten, das haben wir euch gewährt.’ Wer das entsprechende Dekret liest, sieht, dass da noch viele offene Fragen sind, sieht, dass gesagt wird, es muss verhandelt werden. ,Wenn ihr euch aber so benehmt, dann geht das nicht.’ Es kann doch nicht einer, der den Holocaust leugnet im Ernst daran denken, dass er Bischof der katholischen Kirche wird.“ (rv)
Hier zum Nachhören

 

Die Debatte geht weiter
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat am Freitag neuerlich betont, dass die Haltung der katholischen Kirche zum jüdischen Volk in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ eindeutig und verbindlich festgelegt ist. Diese Festlegung sei auch im Katholischen Weltkatechismus noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt worden. Wie Kardinal Schönborn betonte, ist die „vollinhaltliche Annahme“ des Zweiten Vatikanischen Konzils einschließlich von „Nostra Aetate“ und der Erklärung über die Religionsfreiheit „Dignitatis humanae“ unabdingbare Voraussetzung für eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft in die Kirche. Die Konzilserklärung entziehe jedem Antisemitismus den Boden, wenn es wörtlich heißt: „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“
Eine stärkere Betonung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche wünscht sich der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In einem ORF-Interview am Freitag räumte Scheuer Fehler in der jüngeren Entwicklung in der Kirche ein, aus denen man jetzt dringend lernen müsse. Die Vatikan-Entscheidung zur Pius-Bruderschaft wolle er nicht in Zusammenhang mit der Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner sehen. Scheuer wörtlich: „Da würde man Wagner nicht gerecht. Lefebvrianer ist er keiner, konservativ ist er sicher.“
„Vieles, was in den letzten Tagen über Papst Benedikt in der Öffentlichkeit gesagt worden ist, war bösartig“. Das schreibt der Basler Bischof Kurt Koch, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem ausführlichen persönlichen „Brief an die Gläubigen“. Der Papst habe in seinem bald vierjährigen Pontifikat sehr deutlich gezeigt, „dass Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun haben kann“. Das Konzil stehe in der Kirche nicht zur Disposition, betont Koch. „Ist der Preis für die Bemühungen um Einheit nicht zu groß?“, fragt er dann und kommt zum Schluss: „Ich bin überzeugt, dass die Geschichte Papst Benedikt darin Recht geben wird, bis zum Äußersten gegangen zu sein, um die Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingetreten ist, zu heilen.“ Gleichzeitig meint Koch, dass mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nach der Wende von 1989 die Zeit für eine neue Verständigung mit den Befreiungstheologen reif sein könnte. Der Papst habe mit seiner Brasilienreise im Mai 2007 dafür „einen guten Anfang“ gesetzt, „auf dem man weiterbauen könnte“.
Die Katholische Fakultät der Universität Wien kritisiert die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer sowie die Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. In einer Erklärung vom Freitag ruft sie die Katholiken zu Verantwortungsbewusstsein auf. Es handle sich bei den derzeitigen Konflikten „keineswegs um bloße 'Nebenschauplätze', sondern um wesentliche - gesellschaftlich höchst relevante - Konsequenzen des christlichen Glaubens, die an das Selbstverständnis der Kirche rühren“. Was die Pius-Bruderschaft betrifft, sehen die Theologen keine Grundlage für ihre institutionelle Eingliederung in die Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein „unverzichtbarer Teil“ der kirchlichen Tradition. Die Fakultät begrüßt die „klaren Aussagen“ von Kardinal Schönborn zur „Ungeheuerlichkeit einer Leugnung der Shoah“ und die Aufforderung des Papstes, Williamson müsse widerrufen und sich entschuldigen.
Die deutsche „Edith-Stein-Gesellschaft“ betont in einer Erklärung die enge Verbindung zwischen Katholiken und Juden. Williamsons Äußerung „verhöhnt das Leiden der Opfer, insbesondere der jüdischen, und das Zeugnis der Leidenssolidarität von Edith Stein mit dem jüdischen Volk. Die Äußerungen von Bischof Williamson sind ein unerträglicher Affront, der absolut nicht hingenommen werden kann.“ Es dürfe „nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln der Kirche“ nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, dass die Kirche keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet. Der Verband regt an, Holocaust-Leugnung als Straftatbestand mit Exkommunikation in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen.
Die Kirche Großbritanniens versichert der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität. Der Primas von England und Wales, Kardinal Cormack Murphy-O'Connor, hat nach Zeitungsangaben an den Oberrabbiner Jonathan Sacks geschrieben. Er „bedauere“ die Folgen, die sich aus der Rücknahme der Exkommunikation Williamsons ergeben hätten. Dessen Verleugnung des Holocaust habe „absolut keinen Platz in der katholischen Kirche und ihrer Lehre“. In seiner Antwort erklärte Sacks laut „Telegraph“, für viele Juden auf der ganzen Welt hätten die katholisch-jüdischen Beziehungen „großen Schaden“ genommen.
Der belgische Primas entschuldigt sich bei den Juden für die Äußerungen von Bischof Williamson. Auch wenn er sich nicht persönlich schuldig fühle, bedrücke ihn doch die „absolute intellektuelle Unredlichkeit und Verneinung der Geschichte“ durch Williamson. Das sagte Kardinal Godfried Danneels von Brüssel in einem Fernsehgespräch. Dafür entschuldige er sich. (rv)

 

Vatikan: Keine Medienschelte – „Wir hatten Kommunikationsprozess nicht in der Hand“
Der Sprecher des Vatikans ist unzufrieden darüber, dass es im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikationen vor zwei Wochen zu Pannen und Kommunikationsfehlern gekommen ist. Im Gespräch mit der französischen Tageszeitung „La Croix“ meinte Jesuitenpater Federico Lombardi: „Das Kommuniqué, das das Dekret begleitete, ließ zu viele Aspekte im Unklaren und gab dadurch Raum zu verschiedenen Interpretationen.“ Außerdem sei das Dokument schon zu früh auf „Internetseiten und an Zeitungen gelangt“: „Wir hatten den Kommunikationsprozess nicht in der Hand.“ Über die Aufhebung der Exkommunikationen habe der Vatikan nur mit Bischof Fellay verhandelt: „Die Meinungen der anderen Bischöfe hat man nicht genug beachtet.“ Lombardi wörtlich: „Wenn es einen gibt, der das wissen musste, dann war das Kardinal Castrillon Hoyos.“
Abgeklärt äußert sich Lombardi, der u.a. den Vatikanischen Pressesaal leitet, zur Debatte über Vatikan und Lefebvre in den Medien. „Die Medien sind nicht besser oder schlimmer als sonst auch.“ Doch natürlich gebe es auch „antikirchliche Strömungen“ dort. Zu anderen Zeiten, etwa beim letzten Konklave oder bei den Reisen Benedikts XVI., sei es aber auch der Kirche gelungen, in den Medien ein positives Bild von sich zu zeichnen. Lombardi bedauert, dass auch viele Katholiken die jüngste Entscheidung des Vatikans nur schwer verstehen: „Einige Dokumente sind eigentlich nur für Spezialisten im Kirchenrecht oder für Theologen bestimmt.“ Da sei es problematisch, dass sich heute „jedes Dokument, ganz gleich welcher Art es ist, direkt in der Öffentlichkeit wieder findet. Das wird dann schwierig zu handhaben.“
Lombardi lässt erkennen, dass er unter normalen Umständen durchaus die Abstimmung mit den Bischofskonferenzen sucht. „Aber manchmal ist ein Dokument schon in der Hand von Ortsbischöfen, bevor wir es haben.“ Er glaube, dass „in der Kurie erst noch eine Kultur der Kommunikation geschaffen werden muss“. Er wünsche sich, dass die einzelnen Vatikan-Abteilungen rechtzeitig den Pressesaal des Heiligen Stuhls informierten „und auch eine erklärende Note schreiben, wenn der Sachverhalt komplex ist“. Lombardi wörtlich: „Wenn die jüngsten Erläuterungen vom Staatssekretariat schon von Anfang an gegeben worden wären, dann hätten wir uns einige leidenschaftliche Tage erspart.“ Andererseits sei es aber auch „unmöglich, jede Schwierigkeit zu vermeiden. Wir müssen auch mal bereit sein, ein Risiko einzugehen.“ (rv)

 

Merkel begrüßt „positives Signal“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Klarstellung des Vatikans zum Traditionalistenbischof Richard Williamson als wichtiges Zeichen begrüßt. Die „eindeutige Aufforderung“, die Aussagen zum Holocaust öffentlich zu widerrufen, wertete Merkel als „ein wichtiges und auch ein gutes Signal“. Am Ende einer Pressekonferenz in Berlin sagte sie am Donnerstag auf Nachfrage:

 

Das macht deutlich, dass eine Leugnung des Holocaust niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben kann, denn nur ohne die Leugnung des Holocaust, nur ohne Antisemitismus kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen. Das ist es ja, was wie ich glaube nicht nur mich, sondern uns alle umtreibt und was wir uns alle wünschen: ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen, katholischen Gemeinden. Deshalb war das ein wichtiges und gutes Signal, und insoweit glaube ich, sind wir auch ein Stück vorangekommen.“
Hier zum Nachhören

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