Vom Sonntag her leben. Die Trinitatiszeit
Der Sonntag Trinitatis Am Sonntag nach Pfingsten begeht die evangelische und katholische Christenheit den Tag der Heiligen Dreifaltigkeit (Trinitatis ist Genitiv von lat. trinitas, in dem sich das Zahlwort drei und lat unitas = Einheit verbirgt).
Der Tag gehört zur Gruppe der Ideenfeste, die keinem konkreten heilsgeschichtlichen Ereignis zugeordnet sind, sondern ein bestimmtes Thema des christlichen Glaubens zum Gegenstand haben. Das Bedürfnis, das Glaubensgeheimnis der Dreieinigkeit Gottes zu feiern, reicht bis ins Altertum zurück. Es stand in engem Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Gottheit Christi und der Abwehr des Arianismus.
Ursprungsort der liturgischen Dreifaltigkeitsfrömmigkeit und eines eigenen Festes waren vermutlich benediktinische Klöster. Im Jahre 1334 wurde das Fest von Papst Johannes XII. für die ganze Kirche verbindlich eingeführt und später auch von den Reformatoren beibehalten. Durch seine jetzige Stellung im Kirchenjahr kann es als thematische Bündelung jener heilsgeschichtlichen Ereignisse verstanden werden, die Gegenstand der großen Feste und Festzeiten des Kirchenjahres sind. Es setzt gleichsam den dogmatischen Schlusspunkt unter Weihnachten (Werk des Vaters), Ostern (Werk des Sohnes) und Pfingsten (Werk des Geistes).
In ähnlicher Weise deutet auch die Präfation den Sinn des Festes: »Du, Gott, hast uns erschaffen durch dein lebendiges Wort, du hast uns erlöst durch Leben, Tod und Auferstehung deines Sohnes und durch den Heiligen Geist in die Gemeinschaft der Heiligen berufen.« Auch die Tagesgebete knüpfen hier an: »Großer Gott, du hast Himmel und Erde erschaffen ... Du bist unter uns gewesen in Gestalt eines Menschen ... Dein Geist wohnt in uns und hält uns lebendig« (drittes Gebet).
Die Lesetexte für Trinitatis zeigen freilich die Schwierigkeit, das Trinitätsdogma aus biblischen Texten zu begründen. Das Evangelium Joh 3,1-8(9-15) erzählt von dem nächtlichen Besuch des Nikodemus bei Jesus. In dem Gespräch zwischen beiden geht es im Grunde um ein pfingstliches Thema: »Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.«
Die Epistel Röm 11,(32)33-36 preist die Unergründlichkeit und Tiefe Gottes. Die alttestamentliche Lesung Jes 6,1-13 berichtet die Tempelvision des Propheten und überliefert das ›Dreimalheilig‹, das die Serafim vor dem Throne Gottes singen — Bekenntnis zur Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes, vor dem alles Geschaffene, auch der Mensch, ›vergeht‹ (V. 5). Die liturgische Farbe an Trinitatis ist weiß.
Liturgische Farbe: weiß
Evangelium: Joh 3,1-8.(9-15)
Predigt: Röm 11,(32)33-36
Wochenlied: Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist (EG 126)
Fürbitten für den Sonntag Trinitatis
(30. Mai 2010)
Dreieiniger Gott,
wir leben von deinem Geheimnis.
Deine Weisheit ist höher als alle unsere Vernunft.
Um dich zu erkennen, brauchen wir deine Liebe.
Wir bitten dich:
leite uns durch Liebe und Barmherzigkeit.
Von dir, dreieiniger Gott,
ist die wunderbare Schöpfung.
Sie leidet.
Wir bitten dich:
Höre ihr Seufzen –
Wie es aus dem Golf von Mexiko aufsteigt – schenke den Bemühungen, das Bohrloch auf dem Meeresgrund zu schließen, endlich Erfolg.
Höre ihr Seufzen –
wie die Dürre im nördlichen Afrika um sich greift,
wie Pestizide den Boden und alle, die auf ihm arbeiten, vergiften,
wie täglich Tierarten unwiederbringlich aussterben.
Höre ihr Seufzen und greif ein.
Wir bitten dich:
leite uns durch Liebe und Barmherzigkeit.
Zu dir, dreieiniger Gott, rufen die Armen und Elenden.
Von dir erwarten sie Hilfe,
wo Menschen versagen,
wo niemand helfen kann.
Wir bitten dich:
Erbarme dich der Bedrohten und Gefolterten in aller Welt.
Nimm dich der Hungernden an.
Nimm dich der Opfer von Naturkatastrophen an,
bei den Überschwemmungen in Polen und Brandenburg,
nach dem Erdbeben in Haiti.
Nimm dich der Arbeitslosen an,
deren Hoffnungen durch die Krisen sinken;
der Obdachlosen,
der Familien, deren Kinder ohne Aussicht auf Chancengleichheit aufwachsen.
Wir bitten dich:
leite uns durch Liebe und Barmherzigkeit.
Durch dich, dreieiniger Gott, wird Gerechtigkeit und Frieden einkehren.
Wir bitten dich:
Schaffe Gerechtigkeit.
Öffne die Herzen der Mächtigen für deine Gerechtigkeit.
Öffne die Hände der Reichen, damit sie nicht weiter für sich festhalten,
wovon andere überleben können.
Öffne die Vernunft der Einflussreichen für dich,
damit sie nicht für ihren Ruhm,
sondern zum Wohle deiner Menschen handeln.
Wir bitten dich:
leite uns durch Liebe und Barmherzigkeit.
Deine Geschöpfe sind wir, dreieiniger Gott,
du gibst uns Weisheit und Erkenntnis,
dich in deinen Geschöpfen zu erkennen,
dich durch dein Wort zu hören,
dich mit unseren Mund zu loben,
dich mit unseren Händen zu ehren,
dir mit unserem Herzen zu vertrauen.
Dir, Gott dem Vater, der uns erschaffen hat,
Dir, Gott dem Sohn, der uns erlöst hat,
Dir, Gott dem Heiligen Geist, der uns tröstet und belebt,
Dir danken wir heute und alle Tage und bitten dich:
leite uns durch Liebe und Barmherzigkeit.
Amen.
Einführende Informationen zum Wochengebet
Weitere Gebete zu den Sonn- und Festtagen
Die Trinitatiszeit
Dieser Abschnitt im Kirchenjahr erhält seine Orientierung durch den Sonntag Trinitatis. Durch seine jetzige Stellung im Kirchenjahr kann es als thematische Bündelung jener heilsgeschichtlichen Ereignisse verstanden werden, die Gegenstand der großen Feste und Festzeiten des Kirchenjahres sind. Es setzt gleichsam den dogmatischen Schlusspunkt unter Weihnachten (Werk des Vaters), Ostern (Werk des Sohnes) und Pfingsten (Werk des Geistes).
Mit dem 1. Sonntag nach Trinitatis beginnt die lange Reihe der Sonntage nach Trinitatis. Kalendarisch hängen sie vom Ostertermin ab, inhaltlich entfalten sie das Evangelium auf vielfältige, durchaus unterschiedliche Weise. Die liturgische Farbe ist grün. Die Rede von der ›festlosen Zeit‹ des Kirchenjahres verkennt freilich, dass jeder Sonntag ein ›kleines Osterfest‹ ist und das Geschenk neuen, österlichen Lebens das Generalthema bildet, von dem her die anderen Glaubens- und Lebensthemen überhaupt erst sinnvoll behandelt werden können.


