Das innovative Handwerk bietet die Arbeitsplätze der Zukunft.
Qualität und Qualifikation, Innovation und Flexibilität, Eigenverantwortung und unsere besondere Unternehmenskultur sind und bleiben die Grundlagen unseres Erfolgs. - Rede "Erfolgreiche Handwerkspolitik in Zeiten des Spardiktats" - Otto Kentzler
Otto Kentzler Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): Umfassende Gesundheitsreform muss das Ziel bleiben
Das innovative Handwerk bietet die Arbeitsplätze der Zukunft.
Zentralverband des Deutschen
Handwerks (ZDH),
Mohrenstraße 20/21
Schlagworte
Wirtschaftspolitik Konjunktur Imagekampagne Unternehmensführung Kreishandwerkerschaft Bundesregierung Handwerk Unternehmen Wirtschaftslage Wirtschaftsentwicklung
Der Kompromiss zur Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung ist sicher unbefriedigend, aber kaum noch zu ändern. Handwerkspräsident Otto Kentzler erhofft sich jedoch von der Bundesregierung für die Arbeitgeber wie Arbeitnehmer im Handwerk noch in dieser Legislaturperiode eine umfassendere Gesundheitsreform. Kentzler in einer Rede vor der Kreishandwerkerschaft in Cham (Oberpfalz): "Die Erwartungshaltung, nämlich an der Ausgabenseite anzusetzen, beim Leistungskatalog, die besteht nach wie vor."
Rede Veranstaltung Kreishandwerkerschaft Cham
Sehr geehrter Herr Präsident Prebeck,
sehr geehrter Herr Präsident Stark,
sehr geehrter Herr Kreishandwerksmeister Reisinger,
sehr geehrter Herr Hauptgeschäftsführer Hinterdobler,
sehr geehrter Herr Geschäftsführer Pregler.
Wenn Journalisten über das Handwerk schreiben, dann sind sie schnell mit Verallgemeinerungen zur Hand. Dann wird das bestehende Handwerk als "Mittelalter" abgetan. Dann wird nach einem modernen "Handwerk 2.0" gerufen, also einem Handwerk, das in die neue Welt der digitalen Kommunikation passt. Für uns Insider ist das unbegreiflich. Warum merkt die Öffentlichkeit nicht, dass selbst kleine Handwerksbetriebe eine Homepage haben. Dass unsere Betriebe für Raumschiffe und Marsmobile zuarbeiten, für den Exporterfolg von Maschinenund Automobilbau unverzichtbar sind, dass Produkte und Dienstleistungen rund um die moderne Medizintechnik aus dem Handwerk kommen? Wer richtet denn die Luxuszimmer der Superhotels in Dubai ein? Wer die luxuriösen Vorzeigegeschäfte bekannter Modemarken von Tokio bis New York? Und sind nicht gerade hier in Bayern die schönsten Häuser von einheimischen Handwerkern gebaut und ausgestattet worden? Kommen nicht aus Bayern die schönsten schmiedeeisernen Leuchten, die wir in der halben Welt wiederfinden? Die modernsten Küchen, mit Tricks und Trends, wie sie nur Handwerker drauf haben? Was soll also der Ruf nach einer neue Version "Handwerk"?
Was die Werte unseres Wirtschaftsbereichs angeht, müssen wir sicher nichts ändern. Qualität und Qualifikation, Innovation und Flexibilität, Eigenverantwortung und unsere besondere Unternehmenskultur sind und bleiben die Grundlagen unseres Erfolgs. Dies gilt auch und gerade in einer Zeit ungeheurer Beschleunigung – ob das nun der technische Wandel, die Kommunikations- und Marketingformen, die immer anspruchsvolleren Kundenwünsche oder die Veränderung der Märkte sind. Ich bin überzeugt davon: Da können wir mithalten!
Imagekampagne
Was das Image des Handwerks angeht – da mögen die journalistischen Beobachter Recht haben. Allerdings sind wir da selbst schon drauf gekommen. Denn es ist genau das Ziel unserer Image-Kampagne, die Modernität, die Vielfalt und die Unverzichtbarkeit des Handwerks sichtbarer zu machen. Vielleicht kennen Sie die Laptop-Tasche zur Imagekampagne. Darauf prangt in dicken Lettern: Werkzeugkoffer 2.0. Damit nehmen wir den Mund nicht zu voll! Handwerk hat allen Grund, stolz zu sein auf seine Leistungen – als Innovationsmotor ebenso wie als Arbeitgeber und Ausbilder. Die selbstbewussten Sprüche der Kampagne vermitteln das. Damit wollen wir nicht nur die Gesellschaft, die Jugend und die Politik aufrütteln. Wir wollen auch nach innen den Handwerkerstolz und die Geschlossenheit als Qualitätshandwerk stärken. Für dieses Qualitätshandwerk stehen insbesondere unsere Innungsbetriebe. Dort herrscht – wie die BILD-Zeitung einmal schrieb – noch "Berufsehre". Sie sorgen in Ihren Innungen für die notwendige fachliche Beratung, die unsere Betriebe brauchen, um im technischen Wandel immer auf der Höhe der Zeit zu sein. Sie stehen für ein starkes, modernes Unternehmertum. Werbung für das Qualitätshandwerk heißt also immer auch: Werbung für die Innungsmitgliedschaft. Deshalb: Machen Sie mit! Werben Sie bei Ihren Betrieben für eine breite Beteiligung an der Image-Kampagne. Größe, Modernität und Vielfalt des Handwerks werden nur erlebbar, wenn unsere Botschaften in der Fläche sichtbar sind. Immer mehr Betriebe nutzen die Aufkleber und Plakate. Aber da können wir noch eine Schippe drauflegen. Schließlich wollen wir den Rückenwind nutzen, den der starke Kampagnen- Auftakt im ersten Halbjahr geschaffen hat. So eine Präsenz hatten wir noch nie. Das Medienecho war bisher enorm. Und unsere ZDH-Mitarbeiter machen seit Wochen in Berlin eine neue Erfahrung. Sie werden immer wieder von Kolleginnen und Kollegen anderer Verbände angesprochen – auf die Imagekampagne. "So etwas hätten wir auch gerne!" "Tolle Sprüche!".
Das Handwerk ist bei den Verbänden, aber natürlich auch bei all den Werbe- und Marketingagenturen in Deutschland plötzlich eine erste Adresse! Wer hätte das gedacht! Im Internet finden sich heute weit mehr als 100.000 Suchmaschinen-Einträge zur Kampagne. Die Seite www.handwerk.de wurde bereits über 500.000 mal aufgerufen. Hunderttausendfach schauen sich junge Leute in sozialen Netzwerken unsere Botschaften an und schicken sie an ihre Freunde. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist "Handwerk 2.0". Wir nutzen mit der Imagekampagne die neuen digitalen Kommunikationsmöglichkeiten höchst erfolgreich. Aber wichtig ist und bleibt, dass aus dem Kampagnenanstoß der Handwerksorganisation in den kommenden Jahren eine breite Welle der Betriebe wird. Je spezifischer die Botschaften auf die einzelnen Berufe ausgerichtet sind, umso interessanter ist es natürlich für die Betriebe. Deshalb ist die Image-Kampagne bewusst so ausgelegt, dass sich gewerkespezifische Botschaften problemlos verzahnen lassen. Viele Branchen nutzen das bereits – etwa der SHK-Bereich, die Maler und Lackierer, die Augenoptiker und die Rollladenbauer. Auch hier mein Appell: Stoßen Sie Diskussionen in Ihren Fachverbänden an, inwieweit sich Ihre ganz speziellen Botschaften mit der Kampagne verbinden lassen. So nutzen Sie die Durchschlagskraft der Kampagne für Ihre eigenen Gewerke und unterstützen umgekehrt die Sichtbarkeit der Dachkampagne. Handwerk gehört in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit und natürlich in den Mittelpunkt der Politik.
Handwerkspolitik
Was die politische Wertschätzung des Handwerks angeht, sind wir in den vergangenen Jahren einen deutlichen Schritt vorangekommen. Die Politik hat erkannt: Handwerk ist ein zuverlässiger Wirtschaftsbereich. Auf ihn können wir zählen, wenn es darum geht, Stabilität und Zuversicht in unserem Land zu stärken. Wie können wir den Rückenwind unserer Lobbyerfolge und der Imagekampagne nun am besten nutzen? Wie gehen wir in Berlin vor, angesichts der turbulenten Szenen dort? Ist es besser, laut zu sein? Wie das ja auch die Protagonisten der Regierungskoalition pflegen? Lohnt es sich Rabatz zu machen gegen manchmal schwer erträgliche Entscheidungen der Regierung? Nehmen Sie dazu ein aktuelles Beispiel: Die Bundesregierung hat sich zu einem Kompromiss bei der Finanzierung der Gesundheitskosten durchgerungen. Für die Wirtschaft ist der Kompromiss unbefriedigend. Der Arbeitgeberanteil wird auf 7,3 Prozent erhöht – das ist grundsätzlich schlecht, auch wenn die Steigerung um 0,3 Prozentpunkte verkraftbar erscheint. Der Beitrag soll dann aber eingefroren werden – das ist wiederum grundsätzlich gut, wenn auch nicht auf dieser Höhe. Diese Festlegung widerspricht unseren Forderungen, sie widerspricht dem Koalitionsvertrag, sie widerspricht ja auch den Zielen von Herrn Rösler. Dieser insgesamt unbefriedigende Kompromiss war aber offenbar die einzige Chance, innerhalb der Koalition aus CDU, CSU und FDP zu einer - zumindest vorläufigen - Lösung zu kommen. Die Entscheider der Koalition haben uns ganz deutlich gesagt: Der Kompromiss zur Gesetzlichen Krankenversicherung steht, daran ist nicht zu rütteln. Auch wenn das die eigenen Leute in den Ländern immer wieder gerne tun. Ich habe mich in der Presse kurz zu Wort gemeldet, habe festgestellt, dass wir von der Bundesregierung eine umfassende Reform erwarten. Diese Erwartungshaltung, nämlich an der Ausgabenseite anzusetzen, beim Leistungskatalog, die besteht nach wie vor. Wir als Wirtschaft, als Arbeitgeber wie Arbeitnehmer im Handwerk, erhoffen uns weiterhin eine umfassendere Gesundheitsreform von dieser Koalition. Deswegen ist es meines Erachtens besser, sich in diesem Moment große Töne zu sparen. Wir wollen lieber im Leisen arbeiten. Mit Minister Rösler habe ich schon gesprochen. Denn das ist klar: Wir brauchen viel weitergehende Reformen im Gesundheitswesen, Reformen, die sicherstellen, dass der Arbeitgeberbeitrag nicht weiter steigt. Dass aber auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Beiträge bezahlbar bleiben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Handwerk hat doch die Krise gut gemeistert! Natürlich sind auch heute und hier in diesem Kreis Betriebe vertreten, denen es besser gehen könnte, ja müsste. Die aber von der Krise getroffen wurden. Sei es, dass Aufträge wegblieben. Sei es, dass die Finanzierung problematisch wurde. Sei es, dass die Kunden plötzlich schleppend oder nicht mehr zahlten. Aber schauen wir uns doch die großen Zahlen an: Ganze 60.000 Stellen sind 2009 im Handwerk weggefallen. Bei 4,8 Millionen Beschäftigten sind das eher 60.000 Stellen, die im Rahmen der üblichen Fluktuation vorerst nicht wiederbesetzt wurden. Aber gerade jetzt vielleicht schon wieder besetzt werden. Und unser Konjunkturbericht konnte mit erfreulich positiven Zahlen aufwarten. Knapp 70 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend (+ 5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Die Aufträge legen zu, die öffentlichen Investitionen und der für den Konsum so wichtige stabile Arbeitsmarkt machen sich positiv bei den Geschäftserwartungen bemerkbar. Der Geschäftsklimaindex, der Lage und Erwartungen bündelt, machte einen deutlichen Sprung (um 8,5 Prozentpunkte auf 74 Punkte) und liegt nur noch knapp unter dem Niveau vor der Wirtschaftskrise. Das hat alles gute Gründe!
Die Verdoppelung des Steuerbonus hat unseren Bau- und Ausbaubetrieben mehr private Aufträge beschert. Die zusätzlichen öffentlichen Aufträge sind weitgehend regional ausgeschrieben worden und haben ins Schwarze getroffen – sprich sind im Handwerk gelandet.
Die Ausweitung der Umsatzgrenze der Ist-Versteuerung auf eine halbe Million hat die Liquidität vieler kleiner Handwerksbetriebe spürbar verbessert. Alle diese vom ZDH vorgeschlagenen Regelungen kamen ins Konjunkturpaket der Großen Koalition und haben viel für das Handwerk bewirkt.
Und was ist mit den Steuererleichterungen, die die Große Koalition und auch Schwarz-Gelb möglich gemacht haben? Eine Zeitung rechnete vergangene Woche vor: Selbst wenn die Gesetzliche Krankenversicherung teurer wird – alle Lohnbezieher werden auch 2011 netto mehr in der Tasche haben als vor der Bundestagswahl 2009. Danke, da haben wir lange und intensiv für gekämpft.
Was wurde das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in der Öffentlichkeit madig gemacht. Aber es hat uns zusätzliche Steuererleichterungen beschert. Gut: Die Steuersenkung für Hotelübernachtungen war gewiss keine gute Idee. Das bereuen einige Politiker auch zutiefst. Und da brauchen wir mit niemandem Mitleid haben, der jetzt Tränen vergießt angesichts schlechter Umfragewerte! Aber viele andere Regelungen waren doch dem Handwerk auf den Leib geschneidert.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Deutschland hat die Krisen besser gemeistert als alle Nachbarn. Dazu hat die Politik mit schnellem und beherztem Handeln beigetragen. Aber wenn wir jetzt dafür streiten in Berlin, dass die Rahmenbedingungen für das Handwerk weiter verbessert werden, haben wir auch weitere gewichtige Argumente in der Hand. Denn Deutschland hat es vor allem der Wirtschaft zu verdanken, dass es in diesen Krisenzeiten so gut dasteht! Ihnen hier im Saal. Jedem einzelnen Betrieb des Handwerks, der verantwortlich gehandelt hat. Der versucht hat neue Wege zu 5 gehen; der neue Angebote gemacht hat oder bessere Produkte auf den Markt gebracht hat; der seine Bestandskunden gehalten und neue geworben hat; der so seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten und weiter auf Ausbildung setzen konnte. Wir können mit Recht stolz sein auf diese Leistung unserer Handwerksmeisterinnen und -meister und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und diese Leistung muss die Politik würdigen!
Wir wollen der Bundesregierung Mut machen, den Streit der vergangenen Monate hinter sich zu lassen und die richtigen Weichenstellungen, die sie ja beschlossen hat, auch offensiv und geschlossen zu vertreten. Es war richtig, die Haushaltskonsolidierung über die Ausgabenseite anzugehen. Es war notwendig, gerade den Bereich Arbeit und Soziales einzubeziehen, der sich über die Jahre immer weiter aufgebläht hat. Und es war konsequent, dem "süßen Gift" von allgemeinen Steuererhöhungen zu widerstehen. Schließlich ist die Einkommensteuer die Unternehmensteuer unserer Personenunternehmen. Und wie es dort mit Liquidität und Eigenkapital aussieht, wissen wir doch alle. Bestätigt wurde das noch einmal von der jüngsten Umfrage der KfW: Dort gaben 42 Prozent der Unternehmen an, dass sich der Zugang zu Krediten erheblich erschwert habe. Besonders betroffen waren die kleinen und mittleren Unternehmen, deren Eigenkapital im Zuge der Krise zusammengeschmolzen ist. Schlechtere Ratingnoten, schlechtere Kreditkonditionen, höhere Sicherheitsanforderungen sind die Folge und machen die Unternehmensfinanzierung schwieriger.
Wer Investitionen im Mittelstand fördern will – und das ist der Motor für einen selbsttragenden Aufschwung –, der muss die Substanz unserer Personenunternehmen stärken. Insofern bleiben wir bei unserer Forderung, den Mittelstand im Rahmen einer Einkommensteuerreform steuerlich zu entlasten. Dass die Mittel dafür zurzeit nicht loszueisen sind, ist klar. Aber was hindert die Bundesregierung daran, jetzt schon einmal die Eckpunkte festzuzurren und abhängig von der Haushaltslage sukzessive umzusetzen. Das würde schon im Vorfeld Vertrauen schaffen. Ein erster – haushaltsneutraler – Schritt ist die Entlastung von der übermäßigen Steuerbürokratie. Der ZDH hatte bereits im Frühjahr Vorschläge dazu gemacht und so die verfahrene Steuerdiskussion zwischen den Koalitionspartnern in Bewegung gebracht. Jetzt ist es soweit: Der Bundesfinanzminister hat seine Vorschläge gemacht und die Erwartungen des Handwerks erfüllt. Wir alle wissen, dass nachhaltige Haushaltskonsolidierung ohne Wachstum nicht zu schaffen ist. Deshalb ist es uns auch so wichtig, dass die investiven Maßnahmen, die ein Vielfaches an privaten Investitionen nach sich ziehen, jetzt nicht gekappt werden. Dazu zählen das energetische Gebäudesanierungsprogramm oder die Förderung 6 der erneuerbaren Energien. Das schafft zukunftsfähige Arbeits- und Ausbildungsplätze, hebt die Steuereinnahmen, schützt die Umwelt und stärkt den Innovationsstandort Deutschland. Solche Mehrfacheffekte müssen genutzt werden! Deswegen hoffen wir auch, dass die Rotstiftaktionen in diesem Bereich noch nicht das letzte Wort waren.
Gerade der Baubereich ist noch längst nicht über den Berg. Und es muss verhindert werden, dass unser Baugewerbe mit seiner Befürchtung Recht behält, dass 2011 erst das wahre Krisenjahr wird. Das Handwerk will und wird zum Aufschwung in Deutschland beitragen. Das können wir umso besser, je verlässlicher die Bundesregierung die großen Reformbaustellen in diesem Land anpackt: die nachhaltige Begrenzung der Lohnzusatzkosten, die steuerliche Entlastung unserer Betriebe – und die Fachkräftesicherung durch eine konsequente Verbesserung der Bildung.
Bildung
Arbeitsplätze werden in Zukunft nicht das zentrale Problem sein. Dafür wird die Demographie schon sorgen. Aber wir haben in Deutschland keine Beschäftigung für Leute, die nichts gelernt haben. Und mit Sorge sehen wir, dass die Schule immer weiter junge Menschen ins Leben entlässt, die das Zeug für eine Ausbildung nicht mehr mitbringen. Wenn das so weiter geht, haben wir am Ende Arbeitslosigkeit u n d Fachkräftemangel. Und das wäre in der Tat fatal für das arbeitsintensive Handwerk. Deshalb mischen wir uns so nachdrücklich in die Bildungsdiskussion ein. Wir sagen: Hört auf, ideologische Scheindebatten über Schulsysteme zu führen! Fangt einfach früher mit der Bildung an – schon im Kindergarten. Fördert jeden einzelnen Schüler besser.
Das Handwerk erwartet einheitliche Leistungsstandards über Ländergrenzen hinweg. Wir wollen mehr Ganztagsschulen, damit auch Migranten und Kinder aus bildungsfernen Familien bessere Chancen haben. Und natürlich muss frühzeitig damit begonnen werden, Jugendliche auf die Berufswahl vorzubereiten. Dabei sind unsere Organisationen bereits sehr kreativ. Überall im Land sprießen Schulpartnerschaften zum Handwerk. Jetzt im Sommer öffnen viele unserer Bildungseinrichtungen die Tore für Sommercamps, um Jugendliche für das Handwerk zu begeistern. Wir müssen diese Wege konsequent weiter beschreiten! Es lohnt sich, gezielt junge Menschen mit Migrationshintergrund für das Handwerk zu werben. Ich persönlich mache gerade mit einem jungen Russlanddeutschen und einem jungen Türkischstämmigen sehr gute Erfahrungen. Vielen von Ihnen wird es ähnlich gehen.
Es lohnt sich, auf junge Menschen zuzugehen, die von Schule und oft auch Elternhaus im Stich gelassen wurden. Mit Geduld und ausbildungsbegleitenden Hilfen kommt der Erfolg – wenn der Wille bei den jungen Menschen da ist. Es lohnt sich auch, mit Karriereplänen auf Abiturienten zuzugehen. Viele denken gar nicht an das Handwerk und sind über die Chancen überrascht. Und es lohnt sich, sich frühzeitig um die nächsten Azubis zu kümmern. Eine Zahl dokumentiert das: Fast 55.000 neue Ausbildungsverträge zählten wir schon Ende Juni – damit übertreffen wir den Vorjahresstand um 7,1 Prozent. Das kann so weitergehen, auch mit dem Rückenwind der Kampagne. Wir haben damit einen ersten Pflock eingeschlagen für die Fachkräftesicherung im Handwerk. Und damit für die Zukunft des Handwerks!
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Ende noch einen Satz zur Organisationsreform im Handwerk sagen. Wir haben damit einen wichtigen Prozess eingeleitet, der auch nach außen deutlich macht, was für uns Eigenverantwortung heißt: nämlich Selbstverpflichtung auf das Wohl unserer Betriebe. Gerade Sie, als Kreishandwerkerschaft, leisten dazu einen ganz entscheidenden Beitrag. Mit ihrer täglichen Arbeit vor Ort. Aber auch mit ihrem Einsatz für effiziente Strukturen. Regelmäßig erreichen uns Meldungen über neue Formen der Zusammenarbeit von Kreishandwerkerschaften bis hin zu Fusionen. Diese inhaltliche Zusammenarbeit ist es, die unsere Organisation – und in ihr jede einzelne Säule - stark macht und die wir gemeinsam weiterentwickeln wollen. Das ist am Ende viel entscheidender als die Frage, in welcher Form diese Zusammenarbeit erfolgt – institutionalisiert oder nicht. Ich weiß, wie schwierig diese Frage ist. Deshalb lassen Sie uns gemeinsam neue, konsensfähige Wege suchen, die die Eigenständigkeit und die Eigenverantwortung des Handwerks unterstreichen. Damit wir auch in dieser Hinsicht Vorbild in unserer Gesellschaft sind. In diesem Sinne danke ich Ihnen ganz herzlich für die Einladung nach Cham.
