Welternährungstag: Hunger bekämpfen
Welternährungstag: Hunger bekämpfen durch
Investitionen in der Landwirtschaft Sonnleitner: Bauern sorgen für Ernährung der Weltbevölkerung**
Der Hunger auf der Welt ist nur erfolgreich zu bekämpfen, wenn die Landwirtschaft gestärkt wird. Korruption und Ausbeutung von Natur und ländlichen Räumen müssen beseitigt, Rechtssicherheit geschaffen und unabhängige Bauernverbände zugelassen werden. Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, zum heutigen Welternährungstag (16.10.) auf dem Kongress der Europäischen Landwirte in Straßburg. Die Landwirtschaft könnte die Weltbevölkerung schon heute ausreichend ernähren, wenn in den Hungerländern die Regeln der good governance eingehalten würden, wirtschaftliche Entwicklung vorangetrieben würde und die Bauern die Nahrungsmittel des Landes erzeugen könnten. Die in den vergangenen Jahren erheblich verbesserten Leistungen der Landwirtschaft in einigen Schwellenländern ermutigten, dass das Hungerproblem so erfolgreich zu lösen sei. Zu Recht habe die FAO den diesjährigen Welternährungstag unter das Motto Zur Sicherung der Ernährung in die Landwirtschaft investieren gestellt.
Die Präsidenten der europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbände COPA und COGECA Rudolf Schwarzböck und Donal Cashman betonten bei der heutigen Eröffnung des Kongresses der europäischen Landwirte anlässlich des Welternährungstages 2006, dass es äußerst nachdenklich stimmen müsse, dass 70 Prozent aller Hungernden der Welt im ländlichen Raum leben und die Mehrzahl Bauern seien. Dabei könnten die Landwirte in diesen Ländern nicht nur den Hunger in ländlichen Gebieten besiegen, sondern auch die Abhängigkeit von Importen reduzieren. Zu Recht rufe die FAO die Regierungen der betroffenen Länder auf, aus der Landwirtschaft eine sich lohnende Investition zu machen. Verlässliche Grundbesitzverhältnisse, Infrastruktur, Zugang zu Kredit, Wasser, Saatgut und Technologie seien Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum auf dem Lande und wirksame Bekämpfung des Hungers.
Aber auch die internationale Gemeinschaft habe ihre Verantwortung wahrzunehmen, forderten die beiden Präsidenten in Straßburg. Angaben der FAO zufolge sei die Entwicklungshilfe für die Landwirtschaft und die ländliche Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren nahezu um die Hälfte gesunken, obwohl 854 Millionen Menschen weiter unterernährt seien. Freier Handel ist die beste Entwicklungshilfe, dies sei heute in der politischen Diskussion ein häufiges Schlagwort. Diese Forderung sei jedoch der falsche Weg, da von so einer Entwicklung hauptsächlich die großen Agrarexporteure wie die USA, Australien, Neuseeland und Brasilien profitieren würden, die die Entwicklungsländer zu einer Liberalisierung des Handels durch Abschaffung der Tarife drängten. Nicht freier, sondern fairer Welthandel sei deshalb das Gebot der Stunde, stellten Schwarzböck und Cashman fest.
So wird nach einer im vergangenen Juni herausgegebenen OECD-Studie prognostiziert, dass bei einer Liberalisierung des Agrarhandels über 90 Prozent aller Gewinne den reichen OECD-Ländern zufließen würden. Über die Hälfte aller Gewinne, die die Nicht-OECD-Ländern erreichen könnten, kämen einem einzigen Land, nämlich Brasilien, zugute. Aus diesem Grunde hätten die Bauernverbände von über 200 Millionen Bauern aus Asien, Afrika, Amerika und Europa ihre Sorge über die Welthandelsverhandlungen zum Ausdruck gebracht. Wenn ernsthaft der Hunger und die Armut auf dem Lande reduziert werden soll, müsse den ärmsten Entwicklungsländern geholfen werden, ihre eigene Ernährungssicherheit aufzubauen, betonten COPA-Präsident Schwarzböck und COGECA-Präsident Cashman. Dies verlange, dass bei den WTO-Verhandlungen Handelsregeln geschaffen werden, die nicht-handelsbezogene Aspekte wie Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz endlich berücksichtigen.
Deutscher Bauernverband Claire-Waldoff-Straße 7 10117 Berlin


