Wie Unternehmen Fachkräfte gewinnen und ihr Unternehmensimage aufpolieren können
Im Kampf um Fachkräfte und Spezialisten haben kleinere Unternehmen oft das Nachsehen: Es gibt weniger persönliche Weiterentwicklungsperspektiven und die Entgelte sind geringer.
Trumpfkarte Familienfreundlichkeit!
Wie Unternehmen Fachkräfte gewinnen und ihr Unternehmensimage aufpolieren können
Joachim von Hein
Geschäftsführer der Akademie Rotenburg e. V.
Brehmstr. 10
Schlagworte
Fachkräfte Fachkräftemangel Familienunternehmen Familie Handwerksbetriebe Handwerk
Aus diesem Grunde sollten Kleinunternehmen auf eine andere Trumpfkarte setzen: Familienfreundlichkeit.
Dr. Joachim von Hein erläutert an mehren Beispielen, wie sich durch gezielte "Familienförderung" engagierte Mitarbeiter finden und halten lassen.
Wettbewerbsvorteil Familienfreundlichkeit
Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen, die auf Familienförderung setzen, eine besondere Anziehungskraft auf neue Mitarbeiter ausüben. Wer familienfreundliches Arbeitsklima schafft, findet also leichter Mitarbeiter – zumal solche, die wegen ihrer Kenntnisse und Qualifikationen besonders umworben sind.
Aber nicht nur in der Personalgewinnung ist so ein Image wichtig. Auch in der Personalpflege zeigt ein familienfreundliches Image Wirkung - das bereits vorhandene Personal arbeitet erfahrungsgemäß engagierter, wenn ihre Familienbelange berücksichtigt werden. In aller Regel sind Familienväter und -mütter besonders motiviert, verantwortungsbewusst und verursachen weniger Fehler. Und wer als "Familienmanager" aktiv ist, kann meistens auch besser organisieren.
Eltern, die mehrere Kindern oder Kinder mit Behinderungen haben, sind als besonders verlässlich einzustufen. Es ist zu erwarten, dass diese Väter und Mütter mit außerordentlicher Verantwortungsbereitschaft durchs Leben gehen - und auch an ihren Arbeitsstellen mehr Verantwortung zeigen.
Umgekehrt sollten die Arbeitgeber bereit sein, diese besondere Einsatzbereitschaft zu belohnen - nicht in erster Linie mit hohen Entgelten, sondern mit Rücksichtnahme und Fürsorge. Auch und gerade für die Familienangehörigen der Mitarbeitenden.
Hierbei ist nicht nur an Hilfen für die Mitarbeiterkinder zu denken, sondern auch an Unterstützungen bei der Pflege älterer Familienangehöriger, die für die betreffenden Mitarbeiter manchmal aufreibender sein kann, als die Kinderbetreuung.
So entsteht ein konstruktives Geben und Nehmen, was dazu führt, dass der "Gegensatz" zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im positiven Sinne verschwindet und stattdessen an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet wird.
Das Ziel der Familienförderung bei Unternehmen soll es sein, mit befähigten, talentierten und vor allen Dingen motivierten Mitarbeitern aufwändige und anspruchsvolle Aufträge bewältigen zu können, an denen andere Anbieter sich die "Zähne ausbeißen" und um auf diese Weise unvergleichbar zu werden. Eine solche positive Unternehmensentwicklung lässt sich nur mit nachhaltig motivierten Mitarbeitern erreichen.
Mittel und Wege, das betriebliche Image in Richtung "Familienfreundlichkeit" weiter zu entwickeln, gibt es viele.
Anwerbung neuer Mitarbeiter
Bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter sind vor allem Regionalzeitungen, Stadtteilzeitungen und Anzeigenblätter unverzichtbar wichtig. Hinzu kommen die Möglichkeiten des Internets und der Mund-zu-Mund Propaganda.
Stellenanzeigen, in denen auf die besondere Familienförderung im Unternehmen hingewiesen wird, könnten folgende Hinweistexte enthalten:
· "Wir nehmen Rücksicht auf die Familien unserer Mitarbeiter!"
· "Familienförderung wird in unserem Betrieb großgeschrieben!"
· "Unser Betrieb beteiligt sich aktiv am Familienförderungsprogramm der Bundesregierung."
· "Bei unserer Arbeitsplanung berücksichtigen wir die Familienzeiten unserer Mitarbeiter!"
· "Wir haben ein offenes Ohr für die Familienbelange unserer Mitarbeiter."
· "Familienväter und -mütter werden bei uns gern eingestellt!"
· "Wir wollen das familienfreundlichste Unternehmen in Beispielstadt sein!"
· "Die Familienförderung unserer Mitarbeiter liegt uns am Herzen!"
· "Wir unterstützen unsere Mitarbeiter bei der Betreuung ihrer Kinder!"
· "Mitarbeiter mit Kindern werden gern genommen!"
Ein ähnlicher Text könnte auch in der PS-Zeile von Geschäftsbriefen erscheinen - wo es passt. Bei manchen Auftraggebern mit familiärem Hintergrund wird ein solcher Hinweis aufmerksam zur Kenntnis genommen - und eventuell auch weiter getragen.
Die Familienförderung könnte auf diese Weise die Marketingbemühungen des Unternehmens unterstützen, weil es erst sehr wenige Betriebe gibt, die sich "offiziell" mit diesem Thema beschäftigen. Die Assoziation Familie und Unternehmen suggeriert psychologisch auch: der Betrieb kennt sich aus mit der Rücksicht auf Familien.
Auch könnten die Betriebe einen vorgefertigten Artikel oder ein Interview an die örtlichen Redaktionen versenden. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass eine Redaktion das Thema aufgreift und einen Bericht über das Unternehmen daraus macht.
Beispielartikel zur Familienförderung
Betrieb mit Herz für die Familie
Bei dem alteingesessenen Handwerksbetrieb von Max Muster aus Beispielstadt werden die Mitarbeiter nicht einfach zu weit abgelegen Baustellen geschickt, wenn sie Familie haben, sondern es wird Rücksicht darauf genommen, dass sie beispielsweise keine allzu lange Heimfahrt haben.
Familienvater Muster weiß aus eigener Erfahrung wie das ist, erst nach langer Fahrerei zum Feierabend erschöpft und im wahrsten Sinne des Wortes "gerädert" nach Hause zu kommen. Er überlegt daher schon bei der Arbeitsplanung, wen seiner Mitarbeiter er zu weiter entfernten Einsatzorten schicken kann. Die Mitarbeiter danken es ihm mit besonderer Einsatzbereitschaft, denn sie wissen, ihr Arbeitgeber hat immer ein offenes Ohr für ihre Familienangelegenheiten. Zu ihm können sie auch jederzeit kommen, wenn sie sich mit familiären Problemen herumplagen müssen. Durch die lange Unternehmenstradition kennt er fast alle Ansprechpartner in Beispielstadt. Für seine Mitarbeiter kann er daher einfach ein gutes Wort einlegen!
Interview mit "Familien-Unternehmer" Max Muster
Frage: Herr Muster, von Ihrem Unternehmen ist in letzter Zeit zu hören, dass sie sich besonders um die Familienförderung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern?
M.M.: Ja, das ist richtig, denn ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich mich für meine Mitarbeitenden in meinem Betrieb einsetze, bekomme ich das als Arbeitgeber zurück, indem sie sich intensiver um unsere Aufträge kümmern und bessere Arbeit leisten.
Frage: Heißt das, dass sich Ihre Mitarbeiter mehr anstrengen, seit Sie mehr Familienförderung betreiben?
M.M.: Ja, teilweise ist dieser Zusammenhang erkennbar. Beispielsweise hat mir gerade ein Mitarbeiter erzählt, dass seine Frau krank geworden ist und er deshalb gern möglichst früh zu Hause wäre. Ich habe ihn deshalb auf eine Baustelle geschickt, die nicht so weit von seinem Wohnort entfernt ist - und er hat es mir gedankt, indem er während seiner Arbeit besonders viel geschafft hat.
Frage: Was für weitere Unterstützungen für die Mitarbeiterfamilien gibt es bei Ihnen?
M.M.: Wir nehmen soweit es sich irgendwie einrichten lässt Rücksicht auf die Urlaubswünsche der Mitarbeiterfamilien und ermöglichen längere Familienwochenenden. Wir machen Betriebsfeste mit Familienangehörigen und finanzieren die Teilnehme an Seminaren, zum Beispiel der Volkshochschule mit Familienangehörigen. Wir haben nämlich die Erfahrung gemacht, wenn die Mitarbeiter ein Seminar beispielsweise zum Thema Arbeitsorganisation zusammen mit Familienmitgliedern besuchen, nehmen sie nicht nur viel mehr aus der Fortbildung mit - sie nutzen die Möglichkeiten des Zeitmanagements auch viel intensiver - und das kommt auch unserem Betrieb zugute.
Frage: Was für Vorteile versprechen Sie sich als Unternehmer von dieser Art der Familienförderung?
M.M.: Die Mitarbeiter sollen sich in unserem Betrieb wohl fühlen und gerne hier arbeiten, denn nur wenn diese Voraussetzungen stimmen, werden sie auf die Dauer bei uns bleiben und gute Arbeit leisten. Außerdem habe ich viel Geld in ihre Fortbildung investiert und möchte jetzt auch den Nutzeffekt davon haben. Da heißt, ich hoffe, dass unsere Mitarbeiter möglichst lange in unserem Unternehmen bleiben!
Frage: Wie sieht bisher der Erfolg dieser Maßnahmen aus?
M.M.: Bisher ist diese Hoffnung aufgegangen. Die Investition in die Fortbildung zum Beispiel hat sich sehr gelohnt, weil die Mitarbeiter einfach besser arbeiten können. Der Krankenstand ist gesunken und die Zufriedenheit ist gestiegen. Am Ende fördert das unsere Produktivität und unsere Wettbewerbsfähigkeit - und nicht zuletzt macht die Arbeit mehr Spaß!
Frage: Steigen damit nicht zugleich aber auch die Erwartungen an die Mitarbeiter und die Stressbelastung?
M.M.: Das Gegenteil ist der Fall. Ich beobachte, dass die Mitarbeiter seit der Einführung der Familienförderung bei uns bessere Laune haben, ihre Arbeit schneller schaffen und es gibt auch weniger Reklamationen! Es gibt also deutlich weniger Stress als früher - und darüber freuen sich die Mitarbeiter genauso wie der Chef!
Denkbar ist ebenfalls, dass die Mitarbeiter für die Personalgewinnung gewonnen werden können. Dabei hilft der nachstehende Briefentwurf.
Brief zur Mitarbeiterfindung
Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter!
Es ist zurzeit sehr schwierig, engagierte Mitstreiter zu finden, die in unseren Betrieb passen. Wie Sie wissen, haben wir zurzeit eine gute Auftragslage und könnten zusätzliche Stellen besetzen.
Leider haben meine Anfragen bei der Arbeitsagentur nicht geholfen, denn die dort gemeldeten Arbeitslosen aus unserer Branche sind aus verschiedenen Gründen nicht geeignet. Deshalb habe ich eine Bitte an Sie:
Hören Sie sich doch einmal in Ihrer Umgebung um, in der Nachbarschaft oder im Sportverein, ob es hier nicht vertrauenswürdige Personen gibt, die sich beruflich verändern möchten und die gut in unser Team passen.
Ich möchte Ihre Bemühung mit einer Sonderprämie belohnen. Ich zahle Ihnen 200 Euro zusätzlich aus, wenn ein/-e von Ihnen vermittelter neuer Mitarbeiter/-in bei uns einen Arbeitsvertrag unterschreibt.
Eine weitere Prämie von 200 Euro zahle ich aus, wenn der Mitarbeiter/-in auch nach der Probezeit noch bei uns beschäftigt bleibt. Denn ich möchte gerne, dass Sie ihm/ihr helfen, sich bei uns schnell zurecht zu finden.
Ich darf mich schon jetzt für Ihr Verständnis bedanken und hoffe auf erfolgreiches Aufspüren von neuen Kolleginnen und Kollegen!
Mit freundlichen Grüßen
PS: Auf Wusch behandele ich solche Hinweise streng vertraulich.
Hilfestellung könnte potenziellen Bewerbern geboten werden, indem für sie und ihre Familien zum Beispiel eine neue Wohnung oder ein Häuschen gesucht wird. Hierzu könnte der Betrieb in der örtliche Presse eine Anzeige schalten. Viele Vermieter fassen solche Annoncen als vertrauenswürdiger auf, als Suchanzeigen von Privatpersonen, da sie meinen, weniger Mietausfälle befürchten zu müssen.
Außerdem ist der positive Imageeffekt nicht zu unterschätzen, wenn es heißt: "Schau mal, die suchen für Mitarbeiter eine Wohnung - das sind aber nette Arbeitgeber!"
Es wäre übrigens sinnvoll, wenn das Betriebsbüro die Anlaufstelle für eventuelle Vermieter wäre. Das wirkt deutlich seriöser. Und noch was: Wenn das eingehende Wohnungsangebot für den Mitarbeiter nicht interessant ist, interessiert sich ja jemand anderes aus dem Betrieb dafür?
Kurzum: ein familienfreundliches Image ermöglicht es dem Betrieb, sich als innovatives Unternehmen darzustellen. Mit dieser Besonderheit unterscheidet sich der Betrieb nicht nur von anderen, ähnlichen Anbietern. Vielmehr entfalten familienfreundliche Unternehmen auch eine Sogwirkung auf Kunden. Diese gewinnen nämlich den Eindruck, dass die Mitarbeiter dort auch etwas mehr vom Ertrag des gesamten Unternehmens abbekommen.
Und damit sind wir beim zweiten wichtigen Punkt: Wie funktioniert Familienförderung nach innen?
Innerbetriebliche Familienförderung
Ein starker Motivationsschub geht insbesondere für männliche Mitarbeiter von einem Dienstwagen aus, der auch privat genutzt werden darf. Er muss zwar versteuert werden, aber es erfüllt die Mitarbeiter mit einem gewissen Stolz, damit zu Hause "vorfahren" zu können.
Die Aspekte der Familienförderung könnten z. B. dadurch berücksichtigt werden, dass ein Kombi oder ein Van – statt einer Limousine – angeschafft wird. Der Mitarbeiter wird nur gebeten, die Kindersitze bei Fahrten zu den Kunden im Kofferraum unterzubringen!
Eine originelle (und steuerfreie!) Alternative ist ein betriebliches Dienstfahrrad, mit dem die Mitarbeiter, die in der Nähe des Unternehmens wohnen, nach Hause radeln können.
Welche betrieblichen Unterstützungen bei Transporten gäbe es noch?
· Übertragbare Fahrkarten für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV-Abonnement)
· Betriebliche Taxifahrten (Sondervereinbarung mit einer Taxigesellschaft, die der Arbeitgeber gut kennt?)
· Betriebliche Anmietung von Leihfahrzeugen für private Transporte des Mitarbeiters
· Unterstützungen bei privaten Transporten mit einem Betriebsfahrzeug
· Unkomplizierte Regelungen des Kilometergeldes
· Betriebliche EDV-Hilfe beim Führen eines Fahrtenbuchs (z. B. mit einem CRM-System?)
· Einrichtung oder Anmietung eines Betriebsparkplatzes (bei einem Nachbarbetrieb, in einem Parkhaus oder in der Nähe)
· Eine Netzkarte der (regionalen) Bahn
· Eventuelle Freiflüge von Fluggesellschaften
· Zusätzliche Heimfahrten bei auswärtigen Einsätzen
· Betrieblich mitfinanzierte Besuche von Familienangehörigen am auswärtigen Einsatzort der Mitarbeiter.
Transporte, Autoreinigung und Kofferraumgeld
Es kommt gelegentlich vor, dass Mitarbeiter Materialien oder Werkzeuge mit ihren privaten Kraftfahrzeugen befördern. Das ist oft nicht ganz einfach, weil in den Autos nicht immer genügend Platz ist. Zum anderen kann es passieren, dass dabei die Privatfahrzeuge verschmutzen oder in Mitleidenschaft gezogen werden. In diesen Fällen sollte der Arbeitgeber großzügig für Reinigung oder Schadensersatz sorgen, denn ein Transport mit einem Taxi oder einer Spedition wäre wahrscheinlich trotz Reinigungsentschädigung und Kofferraumgeld wesentlich teurer geworden!
Was für weitere Möglichkeiten der Transporterleichterungen gäbe es?
Für etwas sperrigere Transportgüter könnte es einen Anhänger geben, der einfach an ein Privatfahrzeug angekoppelt wird. Diesen Anhänger könnten die Mitarbeiter auch für private Transporte nutzen.
Da diese Anhänger meistens auch werbemäßig mit einer bunten Folie beklebt sind, unterstützen sie zugleich die Werbebemühungen und das Unternehmensimage, wenn sie auch am Wochenende damit herumfahren!
Ebenso großzügig sollte mit Transportfahrzeugen aus dem Unternehmen umgegangen werden. Auch Umzugshilfen im begrenzen Rahmen sind denkbar. Die Möglichkeiten, private Transportprobleme mit betrieblichen Fahrzeugen kostengünstig lösen zu können, sind für viele Mitarbeiter sehr attraktiv, weil sie dadurch erhebliche Kosten sparen.
Private Nutzung von Betriebsmitteln
Der Arbeitgeber könnten den Mitarbeitern gebrauchte Werkzeuge, Maschinen, Büromöbel oder dergleichen kostenlos überlassen. Das gilt auch für abgeschriebene Materialien, die noch gebrauchsfähig sind oder Reste, Rohstoffe und dergleichen. Diese dürfen die Mitarbeiter kostenlos oder gegen ein symbolisches Entgelt mitnehmen. (Hierzu sollte der Steuerberater gefragt werden.)
Ähnliches gilt für die private Nutzung von Betriebseinrichtungen oder Fahrzeugen. In jedem Falle sollte darauf geachtet werden, dass eine schriftliche Vereinbarung getroffen wird, dass die Mitarbeiter eine Gegenleistung für diese Vergünstigung zu leisten haben. Es gilt das Prinzip "Geben und Nehmen".
Welche Arten von Vergünstigungen könnten in Frage kommen?
· die private Benutzung von Werkzeugen
· die Nutzung von Betriebseinrichtungen (die Werkstatt)
· der Verleih von Fahrzeugen
· Hilfestellungen des Unternehmens bei privaten Baumaßnahmen
· der Verkauf von Resten
· der Verkauf von gebrauchten Büromöbeln
· der verbilligte Einkauf bei Großhändlern
· der günstige Einkauf bei Geschäftspartnern/Nachbarfirmen.
Achtung:
Es käme bei den Mitarbeitern schlecht an, wenn der Arbeitgeber aus solchen "Geschenken" einen allzu offensichtlichen Vorteil gewönne. Geschenke, die sich dann als Geschäfte für die Inhaber herausstellen, stoßen sauer auf und verfehlen ihren Motivationszweck!
Kindergartenplatz
Junge Mütter und Väter finden nur mit großer Mühe geeignete Kindergarten- oder Krippenplätze für ihre Sprösslinge. Sie bleiben dann für die Kinderbetreuung zu Hause, obwohl sie eigentlich gern wieder im Betrieb arbeiten würden. Den Unternehmern fällt es in der Regel leichter, einen Platz zu bekommen.
Der Arbeitgeber würde die eingearbeiteten Mitarbeiter in Elternzeit gern - zumindest halbtags - wieder beschäftigen. Deshalb sollte vom Betrieb überlegt werden, ob nicht bei einem nahe gelegenen Kindergarten für die Mitarbeiterkinder ein oder zwei Plätze reserviert werden sollten, die in Notfällen kurzfristig von den betreffenden Eltern in Anspruch genommen werden könnten.
Wie könnte solch ein Kindergartenplatz organisiert werden?
Der Arbeitgeber fragt nach, wer an einem solchen betrieblichen Kindergartenplatz Interesse hätte und wer dann wieder im Betrieb arbeiten würde.
Dann müssen geeignete Kindergärten mit freien Plätzen für Notfälle gefunden werden. Das fällt am Ort bekannten Unternehmern meistens leichter, als neu hinzugezogenen Eltern.
Eventuell gibt es in der Nachbarschaft des Unternehmens auch geeignete Tagesmütter. Alternativ könnten auch eine oder zwei ausgebildete Kindergärtnerinnen eingestellt werden, die die Kinder betriebsintern (im Garten oder in der Werkstatt) betreuen.
Die Kinder mit in den Betrieb zu bringen ist meist nicht möglich, weil die jeweiligen Eltern stark abgelenkt wären und viele Unternehmen nicht "kindergeeignet" sind.
Diese Betreuungsarbeit würde für alle Kinder von Mitarbeitern "bei Bedarf" organisiert werden. Deshalb müsste eine solche Maßnahme nicht als "geldwerter Vorteil" von den Eltern versteuert werden. Es würde aber die betroffenen Familien erheblich entlasten und daher sehr motivierend wirken!
Der Unternehmer könnte Kindergärten in der Nähe ein Sponsoring anbieten, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Vielleicht ergibt sich umgekehrt die Möglichkeit, damit Aushilfskräfte zu bekommen oder auch bei den Eltern und Großeltern zu werben?
Solche Sponsoring-Aktionen werden wahrscheinlich eine deutliche Imagesteigerung zur Folge haben – nicht nur bei den unmittelbar betroffenen Kindergartenfamilien.
Tipp: Kindergartenzuschuss
Eine weitere Möglichkeit ist der "steuerfreie Kindergartenzuschuss", der für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber gleichermaßen attraktiv ist. Denn beide Seiten sparen Steuern und Sozialabgaben.
Förderung von Wiedereinsteigern nach der Elternzeit
Die meisten Mütter nehmen nach der Geburt ihrer Kinder Elternzeit in Anspruch und haben in dieser Zeit auch keinen beruflichen Kontakt mehr zu ihren früheren Arbeitgebern. Das gilt in wachsendem Maße auch für Väter, die ihre Sprösslinge nicht nur am Wochenende erleben möchten.
Dabei kann auch der Arbeitgeber helfen, der es den Vätern ermöglicht, an einem Nachmittag in der Woche früher nach Hause zu gehen, indem er zum Ausgleich an anderen Tagen länger arbeitet.
Die Elternzeit birgt für die Unternehmen die Gefahr, dass sie hochqualifizierte Fachkräfte auf Dauer verlieren. Deshalb bemühen sich viele Unternehmen, den Kontakt zu den Mitarbeitern in Elternzeit aufrecht zu erhalten.
Sie laden Sie zu Betriebsfesten oder -ausflügen ein. Sie verschicken interne Betriebsinformationen an die Elternzeitler. Sie beraten die Betroffenen beim Wiedereinstieg und finanzieren entsprechende Fortbildungsmaßnahmen. Vor dem Wiedereintritt wird mit den Rückkehrerinnen ein ausführliches Gespräch geführt.
Die Elternzeitler dürfen im begrenzten Umfang weiter im Betrieb mitarbeiten. Dadurch entsteht ein Pool von qualifizierten Mitarbeitern, die im Notfall als Krankheits- oder Urlaubsvertretung einspringen könnten.
Andererseits verlieren die Mitarbeiterinnen den Kontakt zu ihrem Arbeitgeber und den Kolleginnen nicht.
Unterstützung bei der Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen
Während sich die Familien auf die Geburt eines neuen Familienmitglieds durch die Zeit der Schwangerschaft vorbereiten können, bricht die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds möglicherweise plötzlich und unerwartet über die Mitarbeitenden herein. Das kann ein Unfall sein oder eine schwere Krankheit.
Die Notwendigkeit der Familienpflege überfordert viele Angehörige, die diese Arbeit in der Regel nie gelernt haben. Die Arbeitgeber oder auch erfahrene Mitarbeiter können in solchen Notfällen mit Rat und Tat zur Seite stehen, weil sie andererseits auch die wertvollen Mitarbeiter nicht verlieren wollen.
Welche Hilfestellungen wären möglich?
· Sonderurlaub oder freie halbe Tage
· Kontaktherstellung zu ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen
· Finanzielle Hilfen, Notfall-Darlehen
· Unterstützung bei der Anschaffung eines neuen PKW (Kombi statt Cabrio!)
· Vermittlung von Pflegehilfsmitteln, Rollstühlen usw. aus dem Bekannten- oder Kundenkreis
· Unterstützung bei Schriftverkehr und Antragstellungen
· Haushaltshilfen oder Reinigungsdienste
· Essen auf Rädern, Home-Friseur, Fußpflege, Handwerkervermittlung.
Betriebliche Sozialberatung für die Mitarbeitenden
Vertiefte Sozialberatungen werden die wenigsten Betriebe selber leisten können, sondern sie verweisen auf staatliche, kirchliche oder gemeinnützige Einrichtungen. Die Mitarbeiter können durch diese Hinweise schneller geeignete Gesprächspartner finden.
In vielen Fällen kommen die Berater auch ins Haus. Sie führen Einzelberatungen durch, halten Vorträge oder veranstalten Seminare. Diese Dienste müssen nur teilweise vom Unternehmen bezahlt werden.
Mit welchen Themen beschäftigt sich die Sozialberatung?
· Organigramm, Leitbild der Arbeit, Grundsätze, Qualität
· Teamentwicklung, Coaching, Führung, Mitarbeiterentwicklung
· Konflikte am Arbeitsplatz bis hin zu Mobbing, Beschwerdemanagement
· Umgang mit dem Datenschutz, Aufbewahrungsfristen, Betriebsgeheimnisse
· Umgang mit interkulturellen Konflikten, Migrationsproblematik
· Fragen der Gesundheitsvorsorge, Ergonomie bis hin zur Ernährungsberatung
· Hygiene und Sauberkeit, Ordnung am Arbeitsplatz
· Psychosomatische Erkrankungen, Stress und Burnout
· Psychische Erkrankungen, Depressionen, Neurosen
· Alkohol oder Drogen am Arbeitsplatz
· Betriebsärztlicher Dienst, Vorbeugung von Berufskrankheiten und Unfällen
· Reaktion auf Unfälle, Notfallpläne, Schadensmeldungen, Dokumentation
· Betriebssport, Fitness- und Hobbygruppen
· Ehe- Familien- und Erziehungsprobleme
· Pflegebedürftige Angehörige
· Lebenskrisen, Todesfälle, Krankenbesuche usw.
· Finanzielle Probleme, Schuldnerberatung
· Hilfe bei behördlichen Anträgen
· Vorbereitung auf den Ruhestand.
Weitere konkrete Familienförderungen
· Gezielte Ansprache von kinderreichen Familien in der Personalwerbung
· Kontaktaufnahme zu entsprechenden Beratungsstellen und sonstigen Multiplikatoren
· Schaffung von familienfreundlichen Betriebsstrukturen (Imagewerbung)
· Eltern-Kind-Zimmer, Still-Zimmer für Mütter, Ruheraum
· Notfallbetreuung, Kurzzeitpflege, Ferienbetreuung, Reisegutscheine
· Eine Glückwunschpostkarte der Unternehmen zur Geburt von Kindern im Ort (als Reaktion auf eine Geburtsanzeige in der Zeitung)
· Unterstützung für die Eltern von Mitarbeiterkindern mit Behinderungen
· Betrieblicher Reinigungsdienst auch für die Mitarbeiterfamilie
· Ausleihmöglichkeiten von Gehstützen, Rollstühlen, Kinderwagen usw.
· Betriebliche Kinderbetreuung (zum Beispiel externe Notfall-Betreuung)
· Betreuungsplätze für Mitarbeiterkinder oder pflegebedürftige Angehörige
· Steuerfreier Kindergarten- oder Pflegezuschuss des Unternehmens
· Unterstützung bei der Wohnungs- , Kindergarten- oder Pflegeplatzsuche
· Unterstützung (Sponsoring) für die Schulen der Mitarbeiterkinder oder der Pflegeeinrichtungen für ältere Familienangehörige
· Fundraising und Sponsoreneinsatz für Vereine der Mitarbeiter
· Haushaltshilfe/Tagesmütter für Kinder, Pflege- oder Au-Pair-Betreuung,
· Bring- und Abholservice für Kinder, Taxiservice mit Elternbegleitung
· Fundraising und Sponsoring für Schulen der Umgebung
· Ausstellung von Bastelarbeiten der Mitarbeiterkinder
· Preisausschreiben für Kinder
· Wettbewerb im Internet: Wer bekommt die meisten Klicks
· Formulierungs- und Ideenwettbewerbe
· Senioren- oder Familienseiten auf der Firmenhomepage
· Beteiligung am jährlichen "Girl's Day" als Schnuppertag für potentielle Auszubildende
· Teilnahme an Frauenförderprogrammen/Unternehmerfrauen.
Fazit
Eine familienfreundliche Atmosphäre zahlt sich aus! Zum einen haben auch kleine Unternehmen damit einen Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter – aber auch bei neuen Aufträgen.
Zum Zweiten reagieren die Mitarbeitenden sehr positiv darauf, wenn die Arbeitgeber auf ihre Familienbelange Rücksicht nehmen. Sie arbeiten motivierter und bringen mehr Verantwortung ein.
Es entsteht ein Geben und Nehmen, das allmählich den „Gegensatz“ von Arbeitgeber und Arbeitnehmer überwindet. Das gemeinsame Ziel, Mitglied eines erfolgreichen Unternehmens zu sein, tritt in den Vordergrund.


