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Rating. Miese Noten für miese Vorstellungen - wer will sich da beschweren?

erstellt von Jack Hauswald zuletzt verändert: 15.01.2012 22:49

Früher hoben bei Eislaufweltmeisterschaften die Preisrichter ihre Täfelchen hoch und zeigten mit Bewertungen von 1 bis 6 an, wer die schönsten Kringel aufs Eis gedreht hatte. Und auch damals gab's schon Beschiss und Noten, die keiner verstand.

Heute heisst das Rating und findet auf ebenso glatten Parkett statt, nämlich dem dünnen Eis des Finanzmarktes. Note rauf, Note runter, 3 mal das A oder ein oder zwei A weniger - uund die Welt steht Kopf und die Börse dreht nervöse Pirouetten. Jetzt hat es Frankreich und auch Östereich erwischt. Deutschland ist noch einmal davongekommen. - Wer ist denn nun Schild am ganzen Schlamassel - sind es die Rating-Agenturen oder die Schuldenstaaten selbst. Eigentlich ist die Antwort nicht so schwer, denn Schulden machen sich bekanntlich nicht von allein. Aber lesen Sie, was die Tagespresse dazu schreibt.

 

zu Ratingagenturen

Halle (ots) - Deutschland darf darüber mit Recht verärgert sein. Natürlich ist es positiv, wenn die Bundesrepublik sozusagen als das Paradies für Anleger gilt und deren Milliarden regelrecht aufsaugt - ohne Zinsen bezahlen zu müssen. Aber der größte Zahler der EU und des Rettungsschirms muss sich auf seine Freunde verlassen können. Wir sind ja bereit, die gewaltige Last von 211 Milliarden Euro für die Unterstützung der anderen zu tragen. Aber nicht mehr. Und auch nicht einseitig. Dass Deutschland heute so stark und so stabil dasteht, ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis der Opfer seiner Bürgerinnen und Bürger. Die haben nämlich genau das geleistet, was sich die anderen glaubten, ersparen zu können.

Mitteldeutsche Zeitung

 

Keine Sündenböcke - Kommentar von Sabine Brendel

Essen (ots) - Seit Dezember wussten die Europäer, dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten prüft. Wer die Entwicklung in der Schuldenkrise verfolgt, ahnte, welche Schlüsse die Bonitätswächter ziehen würden. S&P nun zum Sündenbock zu machen, würde zu kurz greifen. Zwar ziehen Ratingagenturen berechtigte Kritik auf sich: Sie sahen die Finanzkrise nicht voraus und bewerteten Griechenland zu rosig. S&P hatte im November fälschlicherweise mitgeteilt, Frankreichs Kreditwürdigkeit zu senken. Vertrauenerweckend war das alles nicht. Doch das heißt nicht, dass die Agenturen stets falsch liegen. Ihre Analyse der verfahrenen Lage im Euro-Raum benennt treffend und für Politiker schmerzhaft die Probleme: zu hohe Schulden, ein sorgloser Umgang mit Steuergeldern, großes wirtschaftliches Gefälle in einem Währungsraum, in dem jedes Land praktisch ungestraft das machen konnte, was es wollte. Allerdings ist die Finanzwelt mittlerweile stark von den Urteilen der Agenturen abhängig, in deren Hände die Branche die Bewertungen von Kreditrisiken auslagerte. So erhielten Standard & Poor's und Co. zu viel Deutungsmacht.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

 

Euroland sucht nach Sündenböcken - Leitartikel

Berlin (ots) - Stellen wir uns vor, wir befänden uns am Ende einer Woche der Negativschlagzeilen, am Ende einer Woche, in der an den Finanzmärkten Nervosität, ja, Panik aufkam. Wenn da eine große Ratingagentur Frankreich zum ersten Mal überhaupt die Spitzennote für seine Kreditwürdigkeit entzogen hätte, dann wäre die Frage gestellt worden: Warum muss die das ausgerechnet jetzt tun und alles nur noch schlimmer machen? Nun hat Standard & Poor's Frankreich tatsächlich am Freitagabend herabgestuft, allerdings am Ende einer Woche, in der Hoffnung aufgekommen war: Hoffnung, dass die Konjunktur sich fängt, Hoffnung, dass die Euro-Krise doch noch glimpflich ausgeht. Und trotzdem stellt sich die Frage: Warum ausgerechnet jetzt? Nun, die Zweifel am Willen der europäischen Regierungen, ihre Probleme anzugehen, sind nach wie vor begründet. Bezeichnend ist, wie schon wieder daran gewerkelt wird, die erst vor fünf Wochen entworfene "Stabilitätsunion" klein zu sägen. Von zwei Leitmotiven ließen sich praktisch alle maßgeblichen europäischen Politiker in den zurückliegenden Krisenjahren leiten. Erstens soll dem Wähler kurzfristig möglichst wenig zugemutet werden, unweigerlich kommende Zumutungen werden so lange wie möglich verheimlicht. Zweitens wird die Verantwortung Dritten zugeschoben - wahlweise oder in Kombination Banken, Spekulanten, Ratingagenturen, Amerikanern. In beiden Fällen lassen sich die Folgen bereits besichtigen. In Deutschland etwa rächt sich die Strategie, dem Steuerzahler vorzumachen, bei den Hilfspaketen handele es sich um Bürgschaften, für die er nie zur Kasse gebeten wird. Bis heute gibt es keinen Kindergarten, der wegen Griechenland nicht gebaut wurde, bis heute wurde keine Autobahn nicht geflickt, weil das Geld für Irland oder Italien gebraucht worden wäre. Und doch schwindet die Bereitschaft, einen substanziellen Beitrag zum Fortbestand der Währungsunion zu leisten. Umso entschlossener wird nun auf Sündenböcke eingeprügelt. Jüngstes Beispiel ist die Finanztransaktionssteuer, auf die sich Berlin und Paris gerade verständigt haben. Diese Anti-Spekulanten-Maßnahme nützt rein gar nichts, um die beiden Kernprobleme zu beseitigen, mit denen Europa wie Amerika kämpfen: die Instabilität gefährlich großer Finanzinstitute und die Überschuldung der Staaten. Die Kanzlerin weiß darum, wird aber die Geister, die sie rufen half, nicht mehr los. Ihre eigene Partei hat sich den Programmpunkt von Attac inzwischen zu eigen gemacht. Nun wird es nicht lange dauern, bis Europas Staatsleute den Zorn des Volkes zur Abwechslung wieder einmal auf die Ratingagenturen zu lenken suchen. Fast ist zu wünschen, dass nun die oft geforderte eigene, europäische Ratingagentur gegründet wird. Die würde entweder zu ähnlichen Urteilen kommen wie die drei Marktführer aus den USA, oder sie würde sich zum Büttel der Politik machen lassen - was rasch weithin erkennbar wäre, da jeder Investor, dem sein Geld lieb ist, sich weiter an den Urteilen der US-Konkurrenz orientieren würde. In beiden Fällen hätten die Verantwortlichen in Berlin und Paris, Madrid und Rom eine Ausrede weniger. Immerhin.

BERLINER MORGENPOST

 

Designierter EP-Präsident Schulz (SPD) begrüßt Merkels Haltung zur Finanztransaktionssteuer
EP muss sich stärker profilieren

Bonn (ots) - Bonn/Aachen, 14. Januar 2012 - Der designierte Präsident des Europäischen Parlaments und derzeitige Fraktionsvorsitzende der SPE, Martin Schulz (SPD), hat im PHOENIX-Interview die zustimmende Haltung Bundeskanzlerin Angela Merkels zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer begrüßt: "Diejenigen, die unsere Krise zu einem großen Teil verursacht haben, nämlich Banken, Versicherungen und der Spekulationssektor, sollten an der Bewältigung der Folgelasten beteiligt werden." Schulz warnte in diesem Zusammenhang davor, "dass man der FDP nicht erlaubt, ein Thema zu finden, von dem das Wohl und Wehe der gesamten europäischen Wirtschaft abhängt."

Im Verhältnis zu den Nationalstaaten müsse sich das Europäische Parlament stärker profilieren. "Wir sind ein mächtiger Gesetzgeber. Aber die öffentliche Wahrnehmung von dem, was wir tun, ist eine andere. Den Menschen die tatsächliche Kompetenz des Europäischen Parlaments zu vermitteln, ist eine der Hauptaufgaben, denen ich mich stelle." Mit Blick auf das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments, sagte Schulz weiter: "Europa muss spannender werden." Viele Menschen teilten die Idee von Europa, "aber ganz viele Menschen sind mit dem Zustand der europäischen Institutionen nicht einverstanden. Wir sollten die berechtigte Kritik vieler Menschen an den nationalen und europäischen Institutionen ernster nehmen und unsere Arbeit verbessern."

Das Interview mit Martin Schulz zeigt PHOENIX am Montag, 16. Januar 2012, gegen 9.35 Uhr.

PHOENIX-Kommunikation

Kommentar zur Euro-Schuldenkrise

Ulm (ots) - Darin zumindest kann man Standard & Poor's (S&P) nicht widersprechen: Ein rundum überzeugendes Konzept zur Bewältigung der Schuldenkrise in Euroland haben die Staats- und Regierungschefs der Währungsgemeinschaft noch immer nicht zustande gebracht. Überdies liegt die US-Ratingagentur richtig mit der Kritik an der krisenverschärfenden Politik, mit der die Schuldenstaaten allein auf einen rigorosen Sparkurs setzen. So gesehen sind dann nicht nur die neun herabgestuften Euroländer die Adressaten des S&P-Rundumschlags, sondern auch Angela Merkel. Es ist schließlich die Berliner Bundeskanzlerin, die seit dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise einzig auf langfristige Maßnahmen setzt. Dabei sind angesichts des gigantischen Geldbedarfs in diesem Jahr kurzfristig wirkende Notmaßnahmen mindestens genauso entscheidend für das Überleben der Währungsgemeinschaft, wie die fraglos unabdingbaren langfristigen Strukturreformen, mit denen der Schuldenmacherei ein Riegel vorgeschoben werden muss. Dessen ungeachtet aber muss sich der US-Ratingriese schon fragen lassen, weshalb er bei der Beurteilung der öffentlichen Verschuldung in der Eurozone beziehungsweise in den USA, in Japan oder Großbritannien zweierlei Maßstäbe anlegt. Denn da drängt sich der Verdacht auf, dass der Euro im Kern geschwächt werden soll, der drauf und dran ist, dem Dollar als Weltreservewährung Paroli zu bieten.

Südwest Presse

 

Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zur den Rating-Abstufungen

Bielefeld (ots) - An den internationalen Finanzmärkten spielt die Psychologie fast eine so große Rolle wie die harten Fakten. Das ist im Ringen um die Kreditwürdigkeit der Euro-Staaten nicht anders. Schon Stunden, bevor die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ihre Entscheidung bekanntgab, sorgten Spekulationen darüber an den Börsen für fallende Kurse, zum schwarzen Freitag aber kam es nicht. Die im Gegenzug von europäischen Politikern und Wirtschaftsexperten demonstrierte betonte Gelassenheit einerseits und deutliche Kritik an S&P andererseits sind zunächst einmal natürliche Reflexe. Inwieweit diese von Fakten untermauert sind, ist Ansichtssache - getreu des halbleeren oder eben halbvollen Wasserglases. Das gilt für die zuletzt deutlich gefallenen Zinsen, die schuldengeplagte Länder wie Italien und Spanien für frisches Geld zahlen müssen. Einige werten dies als Beweis für wiedergewonnenes Vertrauen in die Konsolidierungsbemühungen, manche einfach als Normalisierung nach Übertreibungen. Andere sprechen dagegen von einem politisch motivierten Verschiebebahnhof, bei dem von der EZB an Banken billig ausgegebenes Geld in besser verzinste Anleihen der eigenen Länder investiert werde. Auch bei der Kritik an dem US-amerikanischen Ratingriesen lassen sich zwei Seiten der Medaille betrachten. Der scheinbar zuletzt unter Kontrolle gebrachte Euro-Brandherd droht durch die Herabstufungen neu entflammt zu werden. Kritiker werfen S&P politische Einmischung zur Unzeit vor. Wieder einmal ist die Ratingagentur spektakulär vorgeprescht, während die Konkurrenten Fitch und Moody's deutlich geräuschloser und vorhersehbarer agieren. Statt die Beschlüsse des EU-Ratsgipfels am 30. Januar abzuwarten, senkte S&P aus heiterem Himmel den Daumen. Es wird gemunkelt, dass sich die Agentur nicht die Aufmerksamkeit mit dem Rivalen Fitch teilen wollte, der diesen Termin für sich schon gepachtet hatte. Das nicht auf Befindlichkeiten Rücksicht genommen wird, lässt sich aber auch als Ausdruck der Unabhängigkeit auslegen. Der Druck auf die Politik, Worten Taten folgen zu lassen, wird durch angedrohte oder vollzogene Herabstufungen erhöht. Das hat durchaus seine positive Seite. Das zeigt die Tatsache, dass im Euroraum das Problem der Staatsverschuldung endlich als ein solches angesehen wird. Auf dem Weg zu Erfolgen müssen dabei die Abstufungen keineswegs dramatisch und auch nicht teuer sein. Das wird am Beispiel USA deutlich. Der weltgrößten Volkswirtschaft entzog S&P schon im August das dreifache A. Seither sind die Zinsen für Washington sogar gesunken. Entscheidend wird weiterhin sein, dass die europäischen Staaten die Vertrauenskrise und ihre Schulden in den Griff kriegen, ohne dabei die Wirtschaft abzuwürgen. Dabei sind weder große Gelassenheit noch künstlich erzeugte Hektik gute Berater.

Westfalen-Blatt

 

Kommentar Ratingagentur stuft Frankreich herab Sparen alleine reicht nicht
HANNES KOCH, BERLIN

Bielefeld (ots) - Als Steuerzahler ist man entsetzt: Wieso kann ein kleines Privatunternehmen im fernen New York über die Lebensverhältnisse von Hunderten Millionen Menschen entscheiden? Die Macht, die Ratingagenturen wie Standard & Poor'inzwischen ausüben, ist Ausdruck eines obszönen Missverhältnisses: Das globale Kapital spielt mit souveränen Staaten Katz und Maus. Dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnoten Frankreichs, Österreichs und weiterer Euro-Staaten gesenkt hat, wird Folgen haben. Die Regierungen müssen Investoren höhere Zinsen bieten, wenn sie Staatsanleihen verkaufen wollen. Obwohl Deutschland der Herabstufung einstweilen entgangen ist, läuft nun auch hierzulande wieder die Debatte darüber, ob und wie man den Einfluss der Agenturen beschneiden könnte. Dabei gerät aus dem Blick, dass die Ökonomen von Standard & Poor's vielleicht zu mächtig, aber keine Ignoranten sind. Ihre Begründung für die Herabstufung der Bonität enthält ernstzunehmende Argumente, warum es den europäischen Regierungen bislang nicht gelungen ist, die Schuldenkrise einzudämmen. So warnt die Agentur vor einer Abwärtsspirale: Im Bemühen, die Schulden zu verringern, würden Merkel und ihre Kollegen ausschließlich auf Sparen setzen, dadurch den Wirtschaftsabschwung verschärfen und die Lage letztlich verschärfen. Außerdem habe die Euro-Zone bislang keine ausreichenden Summen zur Verfügung gestellt, um die Zahlungsunfähigkeit eines großen Landes wie Italien auszuschließen. Deswegen halte das Misstrauen der Investoren an, die Krise gehe weiter. Beides ist nicht von der Hand zu weisen. Sparen alleine reicht nicht. Die Euro-Zone braucht ein Investitionsprogramm, das nicht aus zusätzlichen Schulden finanziert wird, wohl aber eine Wachstumsperspektive eröffnet. Und einiges spricht dafür, dass erst Ruhe eintritt, wenn die Investoren der EZB glauben, dass diese im Notfall auch mit sehr großen Summen für schwankende Staaten eintritt. Indem die Ratingagentur auf diese Punkte hinweist, hat sie wohl recht - leider.

Neue Westfälische

Foto: Zentralbild Wendorf-16.1.1970 Berlin: Deutsche Meisterschaften der DDR im Eiskunstlaufen im Sportforum.

Das gezeigte Bild steht unter der Lizenz Creative Commons 3.0 by-sa der Wikipedia Commons.

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