Jugendliche sehen oft keine Chance auf eine Berufsausbildung und ein Arbeitsverhältnis
Der Leistungsdruck ist hoch und die Zukunft unsicher - so nehmen die Jugendlichen in Deutschland ihre Perspektiven wahr. Doch auf diese Wahrnehmung reagieren sie --je nach Wertvorstellungen und Ressourcen - durchaus unterschiedlich.
Jugendstudie: Druck und Ausgrenzung nehmen zu
Jugendliche sehen oft keine Chance auf eine Berufsausbildung und ein Arbeitsverhältnis
Bundesinstitut für Berufsbildung
Good Practice Center
Schlagworte
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Die soeben erschienene Sinus-Studie "Wie ticken Jugendliche? Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren in Deutschland" wurde von sechs kirchlichen und gesellschaftspolitischen Institutionen in Auftrag gegeben.
Für diese Studie wurden 72 ausführliche Tiefeninterviews zu Themen wie Schule, berufliche Orientierung, Politik und Gesellschaft, Mediennutzung, Religion und Engagement geführt. Interviewzitate, Collagen der Jugendlichen und Fotodokumentationen typischer Jugendzimmer veranschaulichen die Ergebnisse.
Die Jugendlichen stehen heute insgesamt unter großem Druck, denn ihre Berufsaussichten sind unsicher, die Leistungsanforderungen hoch. Sie müssen immer früher damit beginnen, ihr Leben und ihre Berufslaufbahn aktiv zu gestalten. Auf die Unsicherheit und den gestiegenen Leistungsdruck reagieren Jugendliche in Deutschland überwiegend mit einem wachsenden Bedürfnis nach Sicherheit, Freundschaft und Familie. Von Politik sind die befragten Jugendlichen eher gelangweilt.
Sieben verschiedene Lebenswelten wurden identifiziert. Sechs von ihnen ist gemeinsam, dass die Jugendlichen optimistisch sind, trotz unsicherer Perspektiven ihre Zukunftsvorstellungen verwirklichen zu können. Einige dieser Lebenswelten sind eher bildungsnah, z.B. die konservativ-bürgerlichen, das sozialökologische Milieu, die experimentalistischen Hedonisten sowie die "Expeditiven", wie in der Studie die "erfolgs- und lifestyleorientierten Networker" bezeichnet werden. Ein großer Teil der Jugendlichen wird der adaptiv-pragmatischen Lebenswelt zugeordnet. Daneben gibt es die materialistischen Hedonisten, die einer freizeit- und familienorientierten Unterschicht entstammen. Von ihnen sind die Jugendlichen zu unterscheiden, die in einer prekären Lebenswelt zuhause sind. Sie sehen oft keine Chance auf eine Berufsausbildung und ein Arbeitsverhältnis. Die Anbindung der Schule an die Lebenswelt scheint hier nicht zu gelingen: aus ihrer Sicht haben die Inhalte des Unterrichts wenig mit ihrem Alltag zu tun. Viele sozial Benachteiligte beschreiben Ungerechtigkeiten, mit denen sie sich im Alltag auseinander setzen müssen. In den Interviews mit den Jugendlichen wurde deutlich, dass die Jugendlichen aus der prekären Lebenswelt sich nicht nur ausgegrenzt fühlen, sondern das Jugendliche aus den anderen Lebenswelten sich tatsächlich abwertend über sie äußerten. Insbesondere Jugendliche aus der bürgerlichen Mitte grenzten sich ab. Die Auftraggeber der Sinus-Studie fordern deshalb Politik und Gesellschaft auf, sich dafür einzusetzen, dass diese Jugendlichen nicht "abgehängt" werden.
Vom Sinus-Institut werden Milieus beschrieben, die durch demografische Eigenschaften wie Bildung, Beruf oder Einkommen verbunden sind. Sie stellen Lebenswelten anschaulich dar. Diese Beschreibungen werden durch Untersuchungen des gesellschaftlichen Wandels ergänzt, die zeigen, wie sich bestimmte Trends in den verschiedenen Milieus verbreiten. Diese Ergebnisse werden vor allem für Marketingzwecke genutzt, aber auch öffentliche Auftraggeber aus der Politik, und aus Medien und Verbänden sind daran sehr interessiert.
Seit dem 1. April ist die Studie als Buch im Verlag Haus Altenberg erhältlich , im Herbst in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb.
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