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Braucht das Handwerk einen Rettungsschirm?

erstellt von Jack Hauswald zuletzt verändert: 24.01.2012 19:10

Griechenland vor der Staatspleite, Finanzzocker, die noch an der "Leiche" verdienen wollen, Merkel in der Eurohilfsfondzange, Deutschland mit einer Bürgschaft von hunderten Milliarden auf dem Rücken, die Welt vor einer neuen Energiekrise.. ..

2012 ...quo vadis..?

Wenn man gehofft hatte, das der Sturm um den Euro sich in den Tagen nach Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres gelegt hätte, weil die Regierungschefs der Eurozone sich auf ein 500 Milliarden schweres Rettungspaket noch im Dezember geeinigt hatten, reibt sichin dieser Woche entäuscht die Augen. Ich sage bewusst nicht verwundert, denn mit dem Tempo, in dem die europäischen Poliziker Beschlüsse fassen und sie wieder verwerfen, darf es nicht verwundern, dass auch das beschlossene Hilfspaket nun schon bald der Vergangenheit angehören wird.


Italien, nicht eben ein Hort politischer wie finanzieller Stabilität, ruft mit der Stimme seines Ministerpräsidenten Mario Monti und seines EZB-Vasallen Mario Draghi zur "Verdoppelung des Einsatzes" auf - eine neue Figur auf dem dünnen Eis der EU: der doppelte Mario. Genau gesagt hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Draghi vorgeschlagen, die unverbrauchten Mittel des ESM-Vorläufers EFSF von etwa 250 Milliarden Euro dem Euro-Rettungsschirm in Höhe von 500
Milliarden bereitzustellen. Italiens Regierungschef Mario Monti hatte gefordert, das Hilfsvolumen des ESM auf bis zu eine Billion Euro zu verdoppeln. Gleichlautenede Forderungen kamen nun auch aus anderen Euro-Ländern, wie Spanien und Portugal.

Braucht das Handwerk einen Rettungsschirm?

Werden die Quellen weiter fließen?

Da Deutschland leider seinen stabilisierenden Einflußbei der EZB mit dem Weggang von Bundesbankpräsident Axel Weber verloren hat und die französische IWF-Chefin Lagarde, mit Blick auf die ebenfalls schlingernde französische Finanzsituation, sich auf die Seite der Italiener geschlagen hat, steht nun die Bundeskanzlerin auf einem ziemlich verlorenem Posten, hatte sie doch auch im Dezember in Brüssel einer Überprüfung des Hilfsvolumens zugestimmt. Nun heisst es aus dem Bundeskanzleramt, dass sich grundsätzlich an der deutschen Position nichts geändert habe. Man habe zugstimmt, den ESM um ein Jahr auf Juli 2012 vorzuziehen. Der Vertrag soll am
kommenden Montag auf dem EU-Gipfel unterschrieben werden. Um unabhängiger zu werden von den Benotungen der Ratingagenturen, soll der Fonds zusätzlich einen Kapitalstock von 80 Milliarden Euro bekommen, das in Tranchen eingezahlt werden soll. Deutschland's Anteil daran beträgt 22,4 Milliarden Euro. Die Bundesregierung sei auch bereit, über eine neue Taktung der Einzahlung in den ESM zu reden. "Deutschland " habe immer alles getan, um den Euro zu schützen", sagt Merkel, schneidig und wendig, wie man sie in den vergangenen Wirtschafts- und Finanzgipfeln kennenlernen durfte. Dafür wurde sie von der weltweiten Presse hochgelobt, etwas voreilig, denke ich, wie sich noch zeigen wird.

Braucht das Handwerk einen Rettungsschirm?

Einstmals teure Währung

Deutschland wird die zutragende Last für die Schulden der europäischen Pleitiers in jedem Fall schwer auf den Schultern liegen. Berlin bürgt derzeit mit bis zu 211 Milliarden Euro dafür, dass Krisenstaaten wie Portugal ihre Schulden bedienen.Der immer währende Hinweis auf die Bedeutung der europäischen Märkte für Deutschland mag zwar eine medienwirksames Schmerzpflaster sein, helfen wird dies nicht viel. Wie man schon am Beispiel Griechenlands sieht, führen die massiven restriktiven Sparprogramme der Schuldenländer auch zu einem deutlichen Rückgang der wirtschaftlichen Kräfte der Länder und deren Möglichkeiten Mittel für Importe und Investitionen bereitzustellen.
Zwar hat Deutschland Exportpartner über die Grenzen der EU hinaus, aber auch USA und China sind derzeit und auf Sicht nicht frei von Problemen. Die USA schliddern am Rande einer großen Insolvenz, die schon im Vorfeld ihren Hauptgläubiger China heute in arge Bedrängnis bringt. China selbst hat mit Strukturproblemen im eigenen Land zu kämpfen, von den, sich für die Zukunft abzeichnenden, politischen Spannungen ganz abgesehen. Russland sitzt zwar auf immensen ungeborgenen Energie- und Bodenschätzen, kann aber derzeit als Wirtschaftspartner keinesfalls größere Deutsche Exportausfälle kompensieren. Der Arabische Markt ist im Umbruch und durch
politische Instabilität gekennzeichnet.Und zu allem Übel bahnt sich zwischen der westlichen Welt und dem Iran wegen dessen Atomprogramm noch eine weltweite Energiekrise an. - Alles in Allem keine gute Perspektive für die nächste Zeit.

Die Bundesbank hat in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht Deutschland eine Wachstumspause vorhergesagt: "Für den Jahresauftakt 2012 deutet sich eine
Seitwärtsbewegung der deutschen Wirtschaft an.....Das wirtschaftliche Wachstum dürfte in Deutschland im letzten Vierteljahr 2011 zum Stillstand gekommen sein..."  Die
Bundesbank weist auf Industrieaufträge hin, die sich zuletzt erholt hätten. Auch die Stimmung in der deutschen Industrie habe sich nach einem Tief im Sommer verbessert. Im 4.Quartal habe aber die schwächere Weltkonjunktur und die Schuldenkrise die deutsche Wirtschaft belastet. Auch der private Konsum stagniere. Das Bauhauptgewerbe hingegen steigerte im November die Produktion mit saisonbereinigt mit über 4% kräftig. Gegenüber dem Vorquartal ergab sich im Mittel der Monate Oktober und November einedeutliche Zunahme um mehr als 2%. ... Die Bestellungen für das Bauhauptgewerbe fielen hingegen im Oktober im Vergleich zum Vormonat mit einem Minus von 1% nochmals niedriger aus. Sie lagen damit um knapp 5% unter dem Vorquartal."

Braucht das Handwerk einen Rettungsschirm?

Preussens Gloria - gestern Fritz - heute Angela.

Handwerk als Rückrat der deutschen Wirtschaft - am Bauhandwerk zeigt die auch die Bundesbank deutlich auf. Der Zentralverband des Handwerks sieht auch für dieses
Jahr keine finsteren Wolken am Konjunkturhimmel. Gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ stellte der ZDH-Präsident Otto Kentzler fest: „Es bleibt beim Wachstum,auch wenn es vielleicht ein wenig geringer ausfällt.“ Natürlich ist das Handwerk nicht so blauäugig, die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise nicht in seine Überlegungen einzubeziehen. "Die Staatsschuldenkrise ist längst noch nicht überstanden...die Fachkräftefalle – Handwerksbetriebe finden kaum noch qualifizierte Arbeitskräfte und die demografische Entwicklung verknappt auch den Nachwuchs.. die drohenden Finanzierungsengpässe für den Mittelstand aufgrund fehlgeleiteter Regulierung im Banken- und Finanzsektor machen den Betrieben zu schaffen..", so Kentzler. Wichtig sei vor allem die Investition in Bildung. Schulen müssen besser
qualifizierte Jugendliche heranbilden. Ganzen Jahrgängen würde sonst die Zukunft verbaut, vor allem wenn sie aus bildungsfernen Familien stammen. Vor allem aber, müssen die Bundesländer die berufliche Bildung endlich als gleichwertig neben der akademischen Bildung anerkennen. - 

Braucht das Handwerk einen Rettungsschirm?

Handwerk in Deutschland  - Tradition und Fortschritt

Fragt man den Handwerkspräsidenten, was ihn so sicher macht, dass das deutsche Handwerk auch diese Krise in 2012 überstehen wird, dann kommen klare Worte: " Unsere Handwerksbetriebe haben knallhart daran gearbeitet, ihre Wettbewerbsposition in jeder Hinsicht zu stärken. Sie haben investiert, sie haben qualifiziert, sie kämpfen um den Nachwuchs und sie werden noch familienfreundlicher. Das wird sich auszahlen. Positiv überrascht hat uns die Stabilität der konjunkturellen Entwicklung am Binnenmarkt, von der die Handwerksbetriebe profitieren. Die Menschen investieren in Werte, die man anfassen und genießen kann. Es gibt Wachstum, auch wenn es geringer ausfällt. Bundesweit erwarten wir 1,5 Prozent. Alles in allem wird das Handwerk weiter zur Stabilität beitragen." 

Einen Rettungsschirm wird das Handwerk also nicht brauchen, solange oberschlaue Politiker in den Ländern und im Bund mit neuen Rahmenbedingungen und wirtschaftlich restriktiven Massnahmen in 2012 den Betrieben nicht noch in den Rücken fallen.







 

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