Handwerk innovativ: Ostfriesische Kleinkläranlagen für Europa
Der „Bio-Air-Wasserfloh Turbo“, so will EES die neue Kleinkläranlage nennen, ist für Grundstücksbesitzer, die keinen Anschluss an die öffentliche Kanalisation haben, interessant.
Richard Schoon ist für „offene Märkte“ und will den EU-Markt mit einer Zwei-Kammer-Kläranlage erobern, die umweltschonender und energieeffizienter als Konkurrenzprodukte sein soll.
Handwerk innovativ: Ostfriesische Kleinkläranlagen für Europa
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Ostfriesland. Richard Schoon, Gründer des Unternehmens EES Engineering Service, einem Ingenieur- und Planungsbüro in Wiesmoor, ist in diesen Tagen nervös. Der technische Leiter wartet ungeduldig auf einen Brief, der bestätigt, dass seine Idee geschützt ist. „Solange die angemeldeten Gebrauchsmuster nicht bestätigt sind, müssen wir noch vieles unter Verschluss halten“, erklärt der 60-Jährige. Das Unternehmen ist im Bereich der Hauskläranlagen, Kleinkläranlagen und Rohrleitungstechnik international tätig. Derzeit entwickelt der zehn Mann starke Betrieb ein neuartiges Zwei-Kammer-Klärsystem für den häuslichen Einsatz. „Wenn unsere Entwicklung in den nächsten Tagen den Härtetest besteht, gehen wir damit auf den europäischen Markt.“
Wiesmoorer Unternehmen will Markt mit Innovation öffnen
Dirk Peters, Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer für Ostfriesland, ist Geburtshelfer bei dieser Neuentwicklung, hilft dabei, unter anderem Fördermittel von der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) für das Projekt einzuwerben und berät in Sachen Schutzrechte. Rund 200 000 Euro wird Schoon bis zur Fertigstellung voraussichtlich im nächsten Jahr in sein Projekt stecken. Peters ist sicher: „Es lohnt sich.“ Langfristig profitiere der Betrieb von den neuen internationalen Kontakten. Es entstünden neue Arbeitsplätze und Ostfriesland werde als Wirtschaftsstandort gestärkt.
Der „Bio-Air-Wasserfloh Turbo“, so will EES die neue Kleinkläranlage nennen, ist für Grundstücksbesitzer, die keinen Anschluss an die öffentliche Kanalisation haben, interessant. Üblich wird das Abwasser in einem Betonbecken, bestehend aus Vorklärkammer, Belebungskammer und Nachklärbecken, mechanisch entschlammt und biologisch gereinigt. „Wir tauschen die Betonbauweise durch einen leichteren, widerstandsfähigeren Kunststoffbehälter aus und ersetzen ihn durch eine neuwertiges Zwei-Kammersystem“, berichtet Richard Schoon. Die eigentliche Innovation sei der „Turbo-Nachklärer“ und ein Sauerstoffsensor im Belebungsbecken. Für beide will der Maschinenbautechniker Schutzrechte anmelden. Der „Turbo-Nachklärer“ ersetze das Nachklärbecken und reinige das Abwasser durch einen geregelten Stickstoffabbau effektiver. Bisher wurde im Belebungsbecken der Sauerstoff willkürlich durch Zeitschaltuhren zugeführt. Ein von EES derzeit in Entwicklung befindlicher Sensor soll den Sauerstoffgehalt im Wasser nach Bedarf regeln. „Eine kleine Revolution“, meint Schoon. Die Vorteile der neuen Anlage: Weniger Platzbedarf, geringere Bau- und Wartungskosten, eine verbesserte Klärwirkung und Energieeinsparungen von bis zu 50 Prozent im Jahr. „Damit entwickeln wir derzeit eine umweltschonendere und energieeffizientere Anlage, die mit allen Richtlinien von europäischen Ländern konform geht“, sagt der technische Leiter.
Sein vor 15 Jahren entwickelter Verkaufsschlager, der „Bio-Air-Wasserfloh“, ein Nachrüstsatz für Kleinkläranlagen, wurde 10 000 Mal bundesweit und nach Österreich, Polen, Spanien, Lettland und Belgien verkauft. Ein Erfolg, an den der Betrieb anknüpfen will. „Alleine in Belgien warten noch 160 000 Kleinkläranlagen darauf, in die Erde gebracht zu werden“, berichtet Richard Schoon von aktuellen Verhandlungen. Potenziale, die zum Greifen nah liegen.
Foto: HWK



