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Bergisches Land - eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

erstellt von Jack Hauswald zuletzt verändert: 10.07.2011 19:05

Hinter Ratingen und Düsseldorf - Gerresheim beginnt das Niederbergische Land, eine wundervolle Naturlandschaft, geprägt von weiten grünen Tälern und Hügeln, das vom Angerbach und der Düssel durchzogen wird.

Bergisches Land -  eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

Eines der traditionellen Ausflugslokale im Bergischen Land ( Schloss Burg a.d. Wupper )

Bergisches Land - eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

handwerkermarkt

DE 40629 Düsseldorf

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An der Düssel liegt auch das Neandertal, der Fundort des Neandertaler, einem Eiszeitmenschen. Die östliche Grenze bildet der Deilbach. Das Gebiet des niederbergischen Landes liegt somit im Kreis Mettmann und umfasst neben der gleichnamigen Kreisstadt die Städte Heiligenhaus, Velbert, Wülfrath, Haan und Erkrath. Der Ratinger Stadtteil Homberg-Meiersberg, der Düsseldorfer Stadtteil Hubbelrath am östlichen Rand der jeweiligen Stadt und der westliche Wuppertaler Stadtteil Schöller können auch zum Niederbergischen Land gezählt werden. In Mettmann, Wülfrath und Velbert-Langenberg ist der alte Stadtkern mit Fachwerkhäusern, die einen Ring um die Kirche oder den Markt bilden, erhalten geblieben. Im Düsseltal oder unweit davon liegen die Dörfer Gruiten und Düssel, die ebenfalls einen historischen Ortskern mit gut erhaltenen Fachwerkhäusern besitzen.
Bergisches Land -  eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

Schloss Burg an der Wupper Sitz der Grafen von Berg.


Das heutige Bergische Land ist aus dem historischen Herzogtum Berg hervorgegangen. Bedeutende Orte im Herzogtum waren Gerresheim, Elberfeld, Solingen, Lennep, Radevormwald, Wipperfürth, Bensberg, Siegburg und Blankenberg. Der Sitz der Grafen und Herzöge war lange Zeit Schloss Burg an der Wupper (heute im Ortsteil Burg an der Wupper von Solingen gelegen). Zum historischen Territorium des Bergischen Landes gehörten damals auch die Städte Düsseldorf, Mülheim an der Ruhr, Teile von Duisburg und Oberhausen, die Gebiete Essens, die südlich der Ruhr liegen (Essen-Kettwig, -Burgaltendorf, -Byfang, -Kupferdreh, -Überruhr, usw.) sowie die rechtsrheinischen Gebiete von Köln. Die ehemaligen Herrschaften Gimborn und Homburg im heutigen Oberbergischen Kreis kamen in der Zeit Napoleons zum Großherzogtum Berg hinzu.

Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) – wurde vor etwa 35.000 Jahren vom modernen Menschen (Homo sapiens) abgelöst. Während  Steinzeit, Bronze- bis zur Eisenzeit waren die Hochflächen des Bergischen Landes nicht dauerhaft besiedelt, sondern wurden lediglich als Jagd- und Weideland
genutzt. Das Rheintal des Bergischen Landes dagegen ,war schon im frühen Neolithikum besiedelt. In der Nähe der Wege, die vom Rhein her durch die dicht bewaldeten Hügel führten, gab es vereinzelte Einödhöfe germanischer Bauern, in denen man sich vor Übergriffen römischer Truppen in Sicherheit
bringen konnten. Eine dauerhafte Besiedlung des Schiefergebirges zwischen Ruhr und Sieg begann erst  zwischen dem späten 7. und 9. Jahrhundert.
Karl der Große, befahl dem Adel der Rhein- und Ruhrfranken während der Sachsenkriege, im Niemandsland zwischen den Sachsen und dem Frankenreich einige Herrenhöfe anzulegen, um davon ausgehend das Waldland fränkisch zu besiedeln. Zu diesen Herrenhöfen gehörten u.a. Haan, Elberfeld und Schwelm.

Nach der Gründung des Deutschen Reiches im 10. Jahrhundert wurde die Wälder im Bergischen abgeholzt, was bis ins 16. Jahrhundert andauerte. Man brauchte das Holz für die vielen neuen Siedlungen und den  Ausbau der Herrenhöfe zu hölzernen Burgen. Dabei konnten die Herren der Burg Berge im
heutigen Altenberg ihre Macht auf das Gebiet ausdehnen, das schließlich durch Adolf von Berg im Jahr 1101 zur Grafschaft erhoben wurde. Daher rührt auch der Name „Bergisches Land“. Zu dieser Zeit begann auch das Zeitalter der Kleineisenindustrie des Wupper-Raumes.

Um 1150 wurde Schloss Burg an der Wupper Sitz der Grafen von Berg. Von dort aus dehnten die Grafen ihre Macht nach Süden bis zur Sieg und nach Osten bis zur Grafschaft Hückeswagen aus. Während Hückeswagen 1260 friedlich an das Haus Berg ging, kam es mit anderen Märkern (Grafschaft
Mark) zu langanhaltenden kriegererischen Streitigkeiten, die bis ins 15. Jahrhundert andauerten. Während des 14. Jahrhunderts hatte das Land unter Überschwemmungen, Missernten, Pest zu leiden. Auch der Krieg zwischen Friedrich von Österreich und Ludwig von Bayern setzte dem Bergischen Land sehr zu. 1386 wurde Düsseldorf die Residenz der Herzöge von Berg, die durch geschickte Heiratspolitik die Herzogtümer Jülich und Kleve in ihr
Herzogtum einverleibten.
Bergisches Land -  eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

Bergische Häuser im Ortskern von Neviges

Anfang des 18. Jahrhunderts folgte ein starker Aufschwung, der bis in die untersten Schichten Wohlstand brachte. Da im siebenjährigen Krieg das Herzogtum neutral war, hielt der Aufschwung an. Die ersten Fabrikanten verkleideten ihre Fachwerkhäuser mit Schiefer. Der typisch bergische Haustyp
entstand so. Ende des 18. Jahrhunderts im Zug der industriellen Revolution wurden befestigte Straßen gebaut. Dann setzte Napoleon mit seinem Einmarsch in das Rheinland dem Frieden und dem freien Herzogtum Berg ein Ende. In den 15 Jahren französischer Besetzung kamen fast 5.000 bergische Soldaten beim Russlandfeldzug ums Leben. Mit Hilfe der Kosaken wurde das Land von den Franzosen befreit, um anschließend 1822 Teil der preußischen Rheinprovinz zu werden.
In den bergischen Großstädten lebten und arbeiteten zu dieser Zeit immer mehr Menschen unter unmenschlichen Bedingungen, vor allem in den kleineren Bergwerken, in denen Metallerze und Schiefer gebrochen wurden. Aufgrund der mangelhaften Hygiene in den Arbeitervierteln verbreitete sich die
Cholera und tötete in dieser Zeit viele Bewohner.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tal der Wupper zum größten Wirtschaftszentrum des Kaiserreiches. Mit dem Bau der ersten elektrischen Zahnrad-Bergbahn in Barmen, Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke bei Müngsten, dem Wiederaufbau von Schloss Burg sowie der Barmer- und
Ronsdorfer Talsperre strebte das Industriezeitalter seinem Höhepunkt entgegen. Klingen aus Solingen z. Bsp. erhielten weltweit ihren Ruf. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges stand das Bergische Land in voller Blüte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die bergischen Großstädte häufiges Ziel der alliierten Bomberverbände und zu weiten Teilen zerstört. Heute ist das Bergische Land ist ein Ziel für Touristen, sowohl für Naherholungssuchende als auch für Kurzurlauber aus dem In- und Ausland. Auch Neviges als Wallfahrtsort zieht in jedem Jahr Besucher aus ganz Europa an.


Bergische Kaffeetafel - "Koffedrenken mit allem dröm on draan"


Die Bergische Kaffeetafel ist von alters her ein traditionelles Zeichen guter bergischer Gastfreundschaft. Erstmals war in einem Roman 1914 von einem „bergischen Kaffeestündchen“ die Rede. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fuhren die Eisenbahnen in das Bergische Land, wodurch die rheinischen
Städter gern  Ausflüge ins Bergische Land unternahmen. Gegen Hunger und Durst gab es in den Gastwirtschaften reichlich Verpflegung. Bald machte man Reklame: „Vorzüglicher Kaffee mit gut. reichl. Zutaten“, „Tägl. große Kaffeerestauration“, „Guter Kaffee mit Bauernblatz und Reisbrei RM. 1,25“, „ff. Kaffee mit und ohne Zutaten“, „Gartenwirtschaft und Kaffeerestauration“ usw.  Im Mai 1929 tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung „Kaffee nach berg. Art“ auf. Bis zum Jahr 1939 hatte sich die Bezeichnung „Bergische Kaffeetafel“ etabliert.

Bergisches Land -  eine Geschichte vom Neandertaler über Römer und Ritter, Napoleon und deutsche Kaiser bis zu weltbekannten Klingen -und ein besonderes Rezept: Die bergische Kaffeetafel.

Dröppelmina - Ausstellung im Schloss Burg a.d. Wupper

Seine Gästen mit dem Besten zu verwöhnen, was man im Haus hat, war und ist gute Sitte. Das erklärt auch die seltsame Vielfalt der Speisen, die bei einer bergischen Kaffeetafel auf den Tisch kommen, wobei die jeweiligen " Leckereien" von Gastgeber zu Gastgeber etwas unterschiedlich sein können.
Wenn die Alten erzählen, hört man immer, daß, ob arm oder reich, geknausert wurde nicht. Damals wurde auch in den ärmsten Familien echter Bohnenkaffee zur Kaffeetafel ausgeschenkt, obschon Bohnenkaffee damals alltags für Viele nicht erschwinglich war. Wegen des hohen Kaffeepreises wurden die von Hand zu drehenden Kaffeemühlen darum im Volksmund auch "Bankerötter" genannt: Denn wenn für  die geladenen Gäste des Bergischen Kaffeetafel zuviel teurer Kaffee verbraucht wurde, war man bald bankrott.
Den Kaffee gab es schon Ende des 18.Jahrhunderts (und gibt es noch heute) aus der "berühmten" Dröppelminna, einer Kranenkanne aus Zinn. die ihren Namen als Hausdienerin (von Mina = Wilhelmine) und wegen ihrer Eigenschaft des Tropfens, bergisch: „Dröppelns“ hatte, weil das Kränchen vielfach undicht war. Andere Quellen erzählen davon, dass die Kanne  ihren Namen der Tatsache verdankt, daß sich der Kaffeesatz ( berg. "Koffemott")  unten in der Kanne absetzte. Ging der Inhalt langsam zur Neige, musste man die Kanne etwas kippen, damit noch Kaffee aus dem Kranen in die Tasse laufen konnte. Der "Mott" verstopfet dabei das Kränchen , so dass der Kaffee nur noch in die Tasse "dröppelte".

Was bei der Kaffeetafel gereicht wird und in welcher Abfolge, dafür gibt es keine verbindliche Vorschrift. Natürlich gehören immer die bergischen Waffeln dazu.


Bergische Kaffeetafel


Zutaten:
für 1 Portion für die Kaffetafel

1 Waffel
3 Esslöffel Milchreis
2 Esslöffel angedickte Kirschen
   Zucker und Zimt zum bestreuen
1 Scheibe Rosinenstuten
   Konfitüre (Johannisbeere, Himbeere oder Aprikose)
   Quark
1 Scheibe Schwarzbrot
1 Scheibe Sandkuchen
1 Scheibe Landbrot
1 Scheibe Käse (Gouda,oder andere Sorte je nach Wunsch)
1 Scheibe Bauernschinken,hausmacher Wurst
   einige Scheiben Zwieback verschiedene Sorten
1 Brezel
   Butter

Zubereitung:

Frisch aufgebrühter Kaffee in der "Dröppelminna", einer Kranenkanne aus Zinn.

- Waffel mit Kirschen, Milchreis und Zucker und Zimt

- Rosinenstuten mit Butter,Konfitüre und Quark

- Schwarzbrot mit Butter und Sandkranz belegt

- Landbrot mit Butter, Käse und Schinken und Hausmacher Wurst

- Verschiedene Sorten Zwieback und Brezel.

Zur Verdauung nach dem Essen ein Beeren-Aufgesetzter und ein Bergischer Korn.


Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bergische_Kaffeetafel
http://de.wikipedia.org/wiki/Bergisches_Land

* Harro Vollmar: Die historische bergische Kaffeetafel. 2. ergänzte Auflage, Haan 1986
* Herbert Stahl: Vielfältige Traditionen und Bräuche. In: Rheinisch-Bergischer Kreis, Deutsche Landkreise im Portrait, Hannover 2000, ISBN 3-88363-190-6, S. 32ff.
* Olaf Link: Die Geschichte des Kaffees und der Kaffeetafel im Bergischen Land. Wie der Kaffee ins Bergische Land kam., RGA-Buchverlag 2003, ISBN 3-923495-68-4
* Andrea Jungbluth-Zehnpfennig: Einladung zur Bergischen Kaffeetafel. Kaffeetrinken "met allem dröm on draan", Gaasterland-Verlag Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-935873-35-2
 

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