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Was bringen Praxis- oder Werkstattklassen für das Handwerk?

erstellt von Bundesinstitut für Berufsbildung zuletzt verändert: 02.10.2011 17:28
Mitwirkende: Solga, Heike; Baas, Meike; Kohlrausch, Bettina,Fromm, Sabine; Richter, Maria
Bundesinstitut für Berufsbildung

Viele junge Menschen sind die Schule leid. Sie verbinden Scheitern und Misserfolge mit ihr, viele bleiben ihr fern. Nicht nur ihr Schulabschluss ist gefährdet, sondern auch der Einstieg in Ausbildung.

Eine Alternative für diejenigen, deren erfolgreicher Schulabschluss bedroht ist, sehen viele in Praxisklassen, sei es in Kooperation mit Betrieben, in oder mit Berufsschulen.

Die Idee, die dahinter steckt, lautet: Ein Lernortwechsel, ernsthafte Anforderungen, die Erfahrung etwas - z. B. ein Produkt - zu schaffen, all das motiviert neu zum Lernen. Gleichzeitig geben Praktika Gelegenheit, sich von einer anderen Seite zu präsentieren.

Ob und wie gut diese Idee funktioniert, haben Evaluationen in Niedersachsen und im Saarland untersucht - im Auftrag des IAB, durchgeführt von Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut Göttingen. Die Probleme erscheinen ähnlich, die Ergebnisse oft unterschiedlich: In beiden Fällen erwies es sich als schwierig, mit der vorgesehenen Zielgruppe (akut abschlussgefährdete Jugendliche) anspruchsvolle Ziele wie den Übergang in Ausbildung zu erreichen. Erfolge zeigen die Projekte jedoch beim Erreichen des Hauptschulabschlusses - und das obwohl die Teilnehmenden zuvor z. T. aus 6. und 7. Klassen kamen.

Einen Einstieg in die Ausbildung schafften in Niedersachsen 41 bzw. 48 Prozent. Die Studie schränkt allerdings ein, dass etwa ein Viertel, nämlich gerade die Jugendlichen mit Problemen, die Maßnahmen vorher abbrachen. Von der gesamten Zielgruppe erschien dem Evaluationsteam nur eine Teilgruppe von 57 Prozent tatsächlich "akut abschlussgefährdet".

Im Saarland wurde besonders benachteiligte Jugendliche erreicht, viele Teilnehmende waren laut Aussage der Studie "notorische Schulschwänzer" mit deutlich schlechteren Leistungen und Verhaltensauffälligkeiten als in Niedersachsen. Aufgrund der Problemdichte gelang es nur sehr bedingt, diese Gruppe in Ausbildung zu bringen, 17 Prozent schafften in drei Monaten den Sprung in die Ausbildung. Hier wurden die ursprünglichen Ziele aufgegeben, das Projekt zielt nun primär auf einen regelmäßigen Schulbesuch und die "Beschulbarkeit".

Der neue GPC-Bericht stellt die Forschungsergebnisse ausführlich vor. Er ergänzt sie um aktuelle Fragen zur Betrachtung von "Zielgruppen", "Defiziten" und Anforderungen und greift alternative Anregungen aus gegenwärtigen Diskursen auf.


Praxis- oder Werkstattklassen - was bringen sie?

Werkstatt- oder Praxisklassen bezeichnen ein in vielen Bundesländern erprobtes Instrument für abschlussgefährdete Hauptschülerinnen und -schüler. Die Kombination von Unterricht und betrieblichen Praktika mit individueller Förderung soll die Quote erfolgreicher Schulabschlüsse und Übergänge in Ausbildung erhöhen. Das IAB hat unterschiedliche Ansätze zu Werkstattklassen evaluieren lassen und legt die Ergebnisse aus zwei Bundesländern vor. Die Ergebnisse zeigen Unterschiede, beide werfen aber Fragen auf zur Betrachtung von "Zielgruppen", zu angemessenen Zielen und passender Förderung.

Berufsstarter- und Praxisklassen in Niedersachen

In Niedersachsen wurden die Projekte "Abschlussquote erhöhen - Berufstätigkeit steigern 2" und "Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung" untersucht. Die dazu vorgelegte Studie soll als Referenzstudie für die Untersuchung ähnlicher Ansätze zur Förderung gering qualifizierter Jugendlicher dienen. Sie versteht sich auch "als empirischer Beitrag, um zu untersuchen, inwieweit die unterstellten Defizite bei Hauptschüler/innen tatsächlich vorzufinden sind".

Die Modellprojekte "Abschlussquote erhöhen - Berufsfähigkeit steigern 2" (AQB2)
und "Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung" (VBOP) sollen präventiv dazu beitragen, die Ausbildungschancen besonders benachteiligter Jugendlicher zu erhöhen. Bei den insgesamt 46 Projektklassen AQB2 und 22 Projektklassen des Projekts VBOP handelt es sich um Kooperationsprojekte der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit und des Landes Niedersachsen, die vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) umgesetzt werden.

Die konzeptionellen Unterschiede zwischen den Projekten sind relativ gering. Beide setzen nach der 7. Klasse an, sie fassten an der jeweiligen Standortschule Schüler/innen dieser Schule wie auch umliegender Schulen zusammen:

  • AQB2 führt akut abschlussgefährdete Schüler/innen in der 8. und 9. Hauptschulklasse in Berufsstarterklassen zusammen. Als Maßstäbe des Erfolgs gelten der Hauptschulabschluss am Ende der 9. Klasse sowie der Übergang in Ausbildung direkt im Anschluss an das Projekt: Hier sah das Projekt eine Quote von 30 Prozent der Teilnehmer/innen vor. 
  • VBOP wendet sich an lern- und leistungsschwache Schüler/innen aus Haupt- und ggf. Förderschulen, diese werden in der 8. und 9. Klasse in Praxisklassen auf einer Hauptschule zusammengeführt. Hier lauten die Ziele Verbesserung der beruflichen Orientierung, Entwicklung der Ausbildungsreife sowie das Erreichen eines Hauptschulabschlusses nach der 9. Klasse.
  • Die Evaluation beruht auf Ergebnissen der Längsschnittuntersuchung des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI). Ihre Ergebnisse belegen grundsätzlich den Erfolg der beiden Projekte. Den Hauptschulabschluss schafften im Projekt AQB2 90 Prozent der Teilnehmenden und im Projekt VBOP 95 Prozent.

    Die Einmündungsquote in Ausbildung liegt auf den ersten Blick deutlich über dem gesteckten Ziel: Von allen Projektteilnehmenden, die bis zum Ende teilnahmen, begannen 41 Prozent der AQB2 -Schüler/innen und 48 Prozent derjenigen aus VBOP innerhalb von drei Monaten nach dem Projekt eine Ausbildung. Einschränkend weist der Forschungsbericht allerdings auf die hohe Fluktuationsrate hin, denn etwa ein Viertel der Teilnehmenden schloss die Maßnahme nicht ab, sondern ging zurück in die Regelklasse. Der Forschungsbericht spricht Zweifel aus, dass der Rückgang in die "normalen Hauptschulklassen" für diese Gruppe Erfolg verspricht.

    "Akut abschlussgefährdet" erschien dem Evaluationsteam nur eine Teilgruppe, nämlich 57 Prozent. Sie begründet die Zuordnung mit Schulnoten, so habe jede/r Zehnte zum Projektbeginn mindestens eine Note 3 oder besser in Deutsch und in Mathematik gehabt.

    Als wichtigste Einschränkung bezeichnen die Autorinnen jedoch, dass die Projekte für einige Zielgruppen ohne Erfolg blieben. So könnten Schüler/innen mit schlechten Ausgangsleistungen ihre schulischen Leistungen nicht verbessern, erhöhten aber ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz. Jugendliche, die eigentlich nicht zur Zielgruppe gehörten, d. h. Schüler/innen mit guten Ausgangsleistungen, erreichten in den Projektklassen überwiegend keine besseren Schulleistungen und keine besseren, sondern schlimmstenfalls schlechtere Chancen am Ausbildungsmarkt.

    Die Untersuchung stellt vier relevante Faktoren für Übergangsprobleme fest: Verdrängung, Diskreditierung, soziale Verarmung und Selbststigmatisierung.Sie fragt, ob die Jugendlichen durch das Projekt ihre Wettbewerbsposition verbessern können. Zwar erreichten 90 % den Hauptschulabschluss, die allein stelle aber noch keine günstige Marktposition dar, der Abschluss müsse mit guten Leistungen einem guten Sozial- und Arbeitsverhalten sowie sozialen Kompetenzen flankiert sein.

    Prozessen der Diskreditierung, das heißt negativer Leistungserwartungen von Betrieben, können die Projekte nur entgegenwirken, wenn Jugendliche über einen langen Zeitraum im selben Betrieb mitarbeiten. Die Studie weist darauf hin, dass bei guten Schülerinnen und Schülern durch das Etikett der Benachteiligtenmaßnahme auch gegenteilige Wirkungen entstehen können.

    Der Faktor soziale Verarmung bezieht sich u. a. auf die Unterstützungsressourcen, die den Teilnehmenden zur Verfügung stehen. Positiv schlagen hier Lehrkräfte und Unterstützer/innen zu Buche, soziale Verarmungsprozesse hinsichtlich des Lernumfeldes werden dagegen durch die homogenen Gruppen eher verstärkt, es häufen sich in etwa der Hälfte der Klassen Schüler/innen "mit einem sehr schlechten Arbeits- und Sozialverhalten".

    Dem schlechten Bild von sich selbst wirkt das Projekt entgegen, Noten verbessern sich und die Motivation steigt. Die Studie weist allerdings darauf hin, dass diese Ergebnisse z. T. durch die Berufsberatung konterkariert werden.

    Die untersuchten Projekte werden in dieser Weise nicht fortgeführt. Zu einer möglichen Übertragung regt die Studie folgendes an:

    Der Übergang in die 10. Klasse solle durch eine entsprechende Gestaltung des Unterrichts als gleichwertiges Ziel gelten, dementsprechend dürfe der Unterrichtsstoff nicht zu sehr zugunsten der Praxis reduziert werden. Gelänge dies nicht in zwei Jahren, könne über eine Schulzeitverlängerung nachgedacht werden. 

  • Um negative Effekte zu vermeiden, sollte bei der Auswahl sehr genau definiert werden, wer zur Zielgruppe gehört. 
  • Um die Verarmung der Lernumwelten zu verhindern, schlägt die Studie vor, dort, wo es möglich ist, die Projektteilnehmenden in den normalen Hauptschulklassen zu belassen und dort die individuelle Förderung zu verstärken. Alternativ dazu könnten Klassen verkleinert werden. 
  • Als "dringend erforderlich" sieht die Studie eine sozialpädagogische Betreuung, da Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeiten häufig gemeinsam auftreten. Eine Betreuung sollte auch über das Ende des Projektes vorhanden sein und Erfolge nachhaltig sichern.
  • Werkstatt-Schule Saarland

    Das Modellprojekt im Saarland ermöglicht leistungsschwachen Jugendlicher aus Erweiterten Realschulen und Gesamtschulen nach acht Schulbesuchsjahren einen Wechsel in eine besondere Berufsschulklasse. Das Modell Werkstatt- Schule entspricht konzeptionell weitgehend dem "dualen" Berufsvorbereitungsjahr im Saarland. Die Bedingungen sind vergleichbar, beide setzen auf die Verbindung von Schule und Praxis sowie sozialpädagogischer Begleitung. Der Unterschied besteht im präventiven Ansatz: Die Schülerinnen und Schüler der Werkstattschule erhalten die Förderung, bevor sie am Hauptschulabschluss zu scheitern drohen. Am Modellprojekt beteiligen sich die Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit und das Land Saarland als Finanzier, das Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) als Projektträger und das Diakonische Werk Saar als Träger der sozialpädagogischen Begleitung.

    Die Werkstattklassen wenden sich an besonders benachteiligte Jugendliche, vielfach Schülerinnen und Schüler, die im Bericht als "notorische Schulschwänzer" gekennzeichnet werden. Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kamen nach acht Schulbesuchsjahren in der Hauptschule aus der 6. oder 7. Klasse und hatte damit mindestens einmal eine Klasse wiederholt, ein "Indikator für das Ausmaß schulischen Scheiterns". Nach Aussage der Evaluation erwiesen sich die Teilnehmer/innen am Projekt Werkstatt-Schule im Vergleich zu anderen Bundesländern "vergleichsweise noch schwächer hinsichtlich ihrer Leistungen und insbesondere auffälliger hinsichtlich ihres Sozialverhaltens". Unter ihnen waren zwei Drittel männlich.

    Aufgrund der im Bericht betonten Defizite wurde im Modellprojekt das zunächst avisierte Ziel des Übergangs in eine (duale) Ausbildung als überwiegend nicht realistisch aufgegeben. Das Projekt zielt nun zunächst auf einen regelmäßige Schulbesuch und die "Beschulbarkeit", die Tatsache, "dass Jugendliche in den Unterricht integrierbar sind". Praxistage im Betrieb oder in den BBZ-eigenen Lehrwerkstätten, intensive sozialpädagogische Begleitung und Beschulung in kleinen Klassen sollen die Lernmotivation erhöhen, soziale Kompetenzen verbessern und die Berufsorientierung stärken.

    Die "Werkstatt-Schule" wurde in den Schuljahren 2007/2008 bis einschließlich 2009/2010 an drei Berufsbildungszentren (BBZ) im Saarland untersucht. Im Rahmen der Längsschnittuntersuchung des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) wurden Jugendliche aus der Werkstatt-Schule sowie Kontrollgruppen regelmäßig befragt, ergänzend kamen quantitative und qualitative Befragungen der an der Projektdurchführung beteiligten Akteure, Interviews mit anderen Experten sowie teilnehmende Beobachtungen hinzu.

    Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass mit diesem Modell die Reintegration in institutionelle Bildung gelingt. Der Anteil an Schulabsentismus verringerte sich um 30 Prozent, die Motivation zum Schulbesuch wurde gestärkt. Deutliche Erfolge gab es auch in Bezug auf den Hauptschulabschluss: 68 Prozent der Werkstattschüler/innen - die zuvor als abschlussgefährdet galten - schafften den Hauptschulabschluss. Dabei schnitten diejenigen, die aus einer 6. oder 7. Klasse stammten und denen somit Unterrichtsstoff eines oder mehrerer Schuljahre fehlte, nicht schlechter ab als Jugendliche, die aus der 8. Jahrgangsstufe übergingen. Allerdings liegt diese Hauptschulabschlussquote unter denen der Kontrollgruppe aus dem BVJ, und auch das Leistungsniveau ist deutlich schlechter. Beim Übergang in Ausbildung bleiben die Ergebnisse weit hinter den Erwartungen zurück: Nur 17 Prozent der Schüler/innen aus Werkstattklassen hatten drei Monate nach Verlassen der Berufsschule einen Ausbildungsplatz, bei den Kontrollklassen (BVJ) waren es 18 Prozent.

    Um trotz der schlechten Übergangsquoten auch Teilerfolge des Projektes zu würdigen, definiert das Evaluationsteam weitere Erfolgsdimensionen. Zusammenfassend bewertet die Evaluation die Werkstatt-Schule als "Schulverweigerer-Projekt". Es motiviert junge Menschen neu, die auf dem Hintergrund von Scheiterns- und Verdrängungserfahrungen in der Schule, von geringen Leistungserwartungen, die ihnen begegnen, von Selbst- und Fremdstigmatisierung sowie aufgrund ihres anregungsarmen Umfeldes die Schule nicht mehr (regelmäßig) besuchen. Die erwarteten positiven Effekte des Praktikums im Projekt bleiben allerdings gering. Voraussetzung für eine Verringerung der (negativen) Leistungserwartungen der Betriebe und für ein Ausbildungsangebot bildete ein gutes Arbeits- und Sozialverhalten der Jugendlichen.

    Das Evaluationsteam schließt sich der Strategie an, die Anforderungen herunterzuschrauben und Erfolge innerhalb des Systems zu suchen. "Da zu den Zielen des Projekts auch die Reintegration der schwierigen Zielgruppe in den Schulalltag und die Erhöhung der Lernmotivation gehörte, kann eine positive Veränderung der Schulnoten auch dann als (Teil-)Erfolg des Projekts angesehen werden, wenn kein Hauptschulabschluss erreicht wurde. Eine Verbesserung der Schulnoten kann zudem auch per se motivationssteigernd wirken, indem sie den zahlreich erlebten Erfahrungen des Scheiterns während ihrer Schullaufbahn ein positives Erlebnis entgegensetzt."

    Im Anschluss an die Werkstatt-Schule empfiehlt es dementsprechend, auch den Übergang ins BVJ als Erfolg zu werten. Er sollte aber keine Notlösung sein - z. B. bei einem guten Schulabschluss -, sondern "als (weiterer) Schritt in Richtung einer persönlichen Stabilisierung und einer Verbesserung der Lern- und Leistungsmotivation angesehen werden".

    Offene Fragen und Anregungen

    Die Forschungsberichte scheinen ein Dilemma in den Schulen zu spiegeln: Werden die vorgesehenen Zielgruppen erreicht, dann zeigen sich auch die Defizite, die explizit Auswahlkriterium waren. Unter den gegebenen Umständen - institutioneller Kontext Schule, hohe Leistungserwartungen der Betriebe - wirken sie sich negativ auf Erfolge, insbesondere im Hinblick auf Ausbildung aus. Die Projekte reagieren, in dem sie entweder die Zielgruppen oder aber die anspruchsvollen Ziele reduzieren.

    Gibt es Alternativen dazu? Wie können junge Menschen, deren Voraussetzungen ungünstig sind, angemessen gefördert und doch zu schulischen und beruflichen Erfolgen geführt werden? Wie können diese Erfolge aussehen? Anregungen liefern aktuelle Debatten zur Modernisierung der beruflichen Bildung und zur inklusiven Förderung. Sie stellen die Definition von Defiziten und benachteiligten Zielgruppen ebenso in Frage wie Sonderwege zu Re-Integration der vorher Ausgesonderten; sie fordern ein mehrfaches Umdenken.

    So verzichtet der Ansatz einer inklusiven "Pädagogik der Vielfalt" gänzlich auf Normalitätsbilder und Defizitorientierung. Die Ursachen für Probleme wie Schulversagen, Klassenwiederholungen und Verweise werden nicht beim Individuum gesucht, sondern zuerst in den Institutionen, die für den Erfolg aller gleichermaßen zuständig sind. Den Maßstab für Erfolg bilden somit nicht externe Anforderungen, sondern persönliche Entwicklungen. Hohe Erwartungen müssen dann nicht reduziert, sondern Hindernisse auf dem jeweiligen Weg zum anspruchsvollen Ziel identifiziert und passende Unterstützungsmaßnahmen angeboten werden. Diese gehen weit über Schule und messbare Leistungen hinaus, sie betreffen auch das Leben, das Wohnen, die Beziehungen. Dass junge Menschen bei einer solchen umfassenden Unterstützung Unerwartetes leisten, zeigen viele aktuelle Projektansätze, so z.B. im GPC-Projektbericht "Pathways to Education - Wege zur Bildung". 


    Solga, Heike; Baas, Meike; Kohlrausch, Bettina: Evaluation des Projekts "Werkstatt-Schule Saarland" Abschlussbericht. IAB Forschungsbericht 5/2011 (PDF, 639 KB)

    Solga, Heike; Fromm, Sabine; Richter, Maria: Übergangschancen benachteiligter Hauptschülerinnen und Hauptschüler. Evaluation der Projekte "Abschlussquote erhöhen - Berufstätigkeit steigern 2" und "Vertiefte Berufsorientierung und Praxisbegleitung". Abschlussbericht. IAB Forschungsbericht 6/2011 (PDF, 1,4 MB)

    GPC-Projektbericht "Pathways to Education - Wege zur Bildung"

     

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