Männer und Jugendliche EU-optimistisch
Stimmung durch nationale Begleitumstände geprägt Herr und Frau Österreicher sind 2006´EU-zuversichtlicher als das im Vorjahr noch der Fall war. Zu diesem Ergebnis kommt die Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich in ihrem heute, Montag, präsentierten Eurobarometer 66-Länderbericht.
"Obwohl 2005 stimmungsgebend in der
Europäischen Union ein Katastrophenjahr war, zeigt das Ergebnis der
aktuellen Herbstumfrage einen zwar langsam, jedoch stetig anwachsenden
Aufwärtstrend der Zuneigung der Bürger", erläutert Harald Pitters,
Projektleiter des beauftragten Österreichischen Gallup-Instituts
http://www.gallup.at , im Gespräch mit pressetext. Interessant ist, dass
Jugendliche und Männer tendenziell optimistischer gegenüber der EU
eingestellt sind. "Hier kann mitunter von einem Gender-Gap gesprochen
werden", erklärt Heike Hausensteiner, Verfasserin des Länderberichts.
In der zentralen Fragestellung, ob die Mitgliedschaft Österreichs in der
EU als "gute oder schlechte Sache" angesehen wird, äußerten sich 36
Prozent der Österreicher positiv, während fast gleich bleibend zum
Vorjahr 23 Prozent darin eher negative Begleiterscheinungen vermuten. So
habe die "Verletzung" durch die EU-Sanktionen für Österreich damals wie
heute nachgewirkt, meint Georg Doutlik, Leiter der Vertretung der
Europäischen Kommission in Österreich. "Bemerkenswert hierbei ist, dass
nach wie vor mehr als ein Drittel der Österreicher die EU weder als ,gut
noch schlecht' einstufen", so Pitters. Auf Nachfrage von pressetext
streicht dieser hervor, dass "von der Wissensvermittlung genug getan
wird, das Problem jedoch vielmehr über nationale und politische
Verzerrungen entsteht, die mit dazu beitragen, dass das Image negativ
determiniert wird". Die Experten kamen zu dem Fazit, dass die Stimmung
in der österreichischen Bevölkerung unmittelbar vor und während der
Erhebung der Eurobarometer-Daten von der am 1. Oktober 2006
stattgefundenen Wahl zum Nationalrat geprägt war: "Der Wahlkampf wurde
zentral dominiert von sozialen Themenstellungen wie Arbeitslosigkeit,
Grundsicherung, Gesundheits- und Pflegeversorgung sowie von
Migrationsproblemen. Da letztere teils stark emotionalisiert zum
Ausdruck kam, schlug sich dies negativ auf die Ergebnisse des
österreichischen Eurobarometers nieder", betont Doutlik.
Die zukünftige Erweiterung der EU aus österreichischer Perspektive weist
jedoch eher ablehnende Züge auf: Eine neuerliche Erweiterung der EU um
einige Länder lehnen die Österreicher generell mit 57 Prozent deutlich
ab (31 Prozent dafür). Einer Aufnahme in die EU positiv gestimmt zeigen
sich die Befragten nur bei der Schweiz, Norwegen, Island und Kroatien.
"Österreich ist damit nicht der Vorreiter für zukünftige
EU-Erweiterungen, wie an der nur fünfprozentigen Türkei-Zustimmung
gesehen werden kann", unterstreicht Pitters.
Auch in Bezug auf den Arbeitsmarkt zeigt sich der in diesem Jahr
verbesserte Optimismus der Österreicher: 25 Prozent (plus fünf
Prozentpunkte) erwarten eine positive Entwicklung des österreichischen
Arbeitsmarktes. Nahezu gleich viele (26 Prozent) äußerten sich
pessimistisch und nehmen das Gegenteil an. Dennoch ist dieser Wert mit
minus sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr wesentlich
freundlicher. Die Angst, in Österreich arbeitslos zu werden, sehen rund
50 Prozent (minus zehn Prozentpunkte) als größte Sorge. Das Vertrauen in
die Gewerkschaften ist in Österreich und damit in der EU nach wie vor
überdurchschnittlich hoch. Dennoch ist das Vertrauen 2006 in die
institutionalisierte Arbeitnehmervertretung von 52 Prozent auf 33
Prozent (minus 19 Prozentpunkte), einhergehend mit einem
Vertrauensrückgang in die österreichische Bundesregierung auf 46 Prozent
abgesackt. Das Meinungsklima zu Wirtschaft und Beschäftigung in
Österreich lässt sich auf 58 Prozent der Befragten positiv beziffern,
die dem EU-Beitritt optimistisch gegenüber stehen. 37 Prozent sehen
darin negative Folgen. Befragt zu den Folgen des Binnenmarktes fällen 56
Prozent (plus acht Prozentpunkte) der Österreicher ein positives Urteil,
wobei 18 Prozent gegenteiliger Ansicht sind. 45 Prozent der Befragten
sagen, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen
Unternehmen in den letzten zehn Jahren durch den Binnenmarkt verbessert
hat. 17 Prozent erkennen darin eine Verschlechterung.
Mit Blick auf die Statistik wird deutlich, dass die Österreicher zu 83
Prozent (minus zwei Prozentpunkte) mit dem Leben, das sie führen,
zufrieden sind. In Hinblick auf die Erwartungen der Österreicher für das
Jahr 2007 hofft rund ein Viertel (23 Prozent), dass sich die
Lebensumstände generell sogar noch verbessern. Dies macht im Vergleich
zum Vorjahreswert einen Zuwachs von drei Prozentpunkten aus. Nur zwölf
Prozent der Befragten befürchten eine signifikante Verschlechterung
ihrer derzeitigen Lage, hingegen 63 Prozent (2005: 67 Prozent) glauben,
dass ihr Leben gleich bleiben und sich nicht verändern wird.


