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Handwerk, gestern und heute

erstellt von admin zuletzt verändert: 07.01.2009 08:55

Oftmals unterschätzt, bei Vielen in seiner Struktur und seinem Wesen unbekannt, ist das Handwerk über Jahrhunderte hinweg das Herz wirtschaftlichen Handeln und Leistens in Deutschland. Doch auch überall in der Welt bestimmen handwerkliche Tätigkeiten und Handwerksbetriebe die wirtschaftliche Basis der Länder.---Wie es in Deutschland mit dem Handwerk bestellt ist, zeigen wir Ihnen hier: Im Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) mit Sitz im Berliner Haus des Deutschen Handwerks sind die 54 Handwerkskammern, 38 Zentralfachverbände des Handwerks sowie wirtschaftliche und wissenschaftliche Einrichtungen des Handwerks in Deutschland zusammengeschlossen. ---- Der ZDH dient der einheitlichen Willensbildung in allen grundsätzlichen Fragen der Handwerkspolitik. Er vertritt die Gesamtinteressen des deutschen Handwerks gegenüber Bundestag, Bundesregierung und anderen zentralen Behörden, der Europäischen Union (EU) und internationalen Organisationen. In Brüssel unterhält der ZDH ein eigenes Büro. Darüber hinaus ist er Mitglied der UEAPME (Europäische Union des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe) in Brüssel, die zahlreiche Aktivitäten mit Partnerorganisationen auf EU-Ebene initiiert und koordiniert. Außerdem verfügen der ZDH und seine Mitglieder über ein Netz von Partnerschaften mit vergleichbaren Organisationen in Mittel- und Osteuropa und in Ländern der Dritten Welt. In diesem Rahmen wird "Hilfe zur Selbsthilfe" praktiziert, die die Partner in die Lage versetzt, die kleinen und mittleren Betriebe zu fördern und die Interessen des Handwerks zu vertreten.

Geschichte des Handwerks:
Im frühen Mittelalter existierten nur wenige handwerkliche Berufe. Dies waren zum Beispiel Kunsthandwerk und Glasherstellung, das Bauhandwerk etwa bestand vornehmlich aus Steinmetzen und Maurern. Weitere häufig vorkommende handwerkliche Berufe waren damals Schmied oder Müller, deren Tätigkeiten dann schon eine umfangreichere Ausrüstung erforderten. Viele Handelsgüter aber wurden von unfreien Bauern auf Fronhöfen oder von freien Bauern auf dem eigenen Land erzeugt und weiterverarbeitet.
Vom Hochmittelalter und der Städtebildung an diversifizierte sich die Handwerkskultur. Begabte Handwerker zogen in die Städte, wovon sich viele bessere Absatz- und Gewinnchancen versprachen . Die steigende Nachfrage änderte das Arbeitsverhalten von einer punktuellen Auftragsarbeit hin zu einer ständigen Produktion. Die hergestellten Waren werden auf Märkten angeboten oder in Werkstätten und Läden ausgestellt und verkauft. Im Zuge dessen schlossen sich die städtischen Handwerker zu Zünften zusammen.
Bedingt durch die französische Revolution und die einsetzende Industrialisierung setzt sich im Europa des 18. Jahrhunderts schließlich langsam die Gewerbefreiheit durch, die jedem Bürger das Recht zubilligt, ein Handwerk nach eigener Wahl ausüben zu dürfen. Gesellen schließen sich zu Bünden zusammen. In diesen Zeiten kommt es zu 194 dokumentierten städtischen Gesellenunruhen, Gesellenaufständen und Gesellenstreiks. Die Aufrührer verlangen dabei neben höheren Löhnen eben auch jene Gewerbefreiheit mit dem Recht auf freie Berufsausübung.

Am 2. November 1810 wird die Gewerbefreiheit in Preußen eingeführt. Dann 60 Jahre später, am 21. Juni 1869, wird die Gewerbefreiheit per Reichsgesetz weiter ausgedehnt. Jeder Bürger ist nun berechtigt, einen Handwerksbetrieb zu gründen. 1897 und 1908 wird die Gewerbeordnung schließlich novelliert. Sie wird heute allgemein als Fundament des dualen Systems der Berufsausbildung betrachtet.
Insbesondere seitens der Handwerksmeister sind Bemühungen, die Gewerbefreiheit wieder zu beschränken, ersichtlich. So wird 1897 ein Handwerksgesetz verabschiedet, das eine Handwerkskammer legitimiert und der alle Handwerker beizutreten haben. 1908 wird der „kleine Befähigungsnachweis“ erlassen, der für die Ausbildung von Lehrlingen wieder den Meisterbrief erforderlich macht. Den Abschluss der Bewegung stellt die Handwerksordnung von 1935 mit der Wiedereinführung des großen Befähigungsnachweises dar, mit dem selbst für die Ausübung eines Handwerkes wieder der Meisterbrief verlangt wird.

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Handwerk heute:
Das Handwerk ist der vielseitigste Wirtschaftsbereich Deutschlands mit großer Innovationskraft und bildet mit seinen rd. 947.500 kleinen und mittleren Betrieben das Herz der deutschen Wirtschaft. Für Privatverbraucher, Industrie, Handel oder die öffentliche Hand - das deutsche Handwerk bietet ein breites, differenziertes und qualitativ hochwertiges Angebot an Waren und Dienstleistungen an. Mit Flexibilität und Kreativität erfüllt das Handwerk individuelle Kundenwünsche.
In rund 947.500 Betrieben arbeiten mehr als 4,8 Millionen Menschen, fast 480.000 Lehrlinge erhalten dort eine qualifizierte Ausbildung. Damit sind 12,4 Prozent aller Erwerbstätigen und 30,7 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland im Handwerk tätig. Im Jahr 2005 erreichte der Umsatz im Handwerk rund 456 Milliarden Euro.


Betriebsentwicklung im Handwerk 2006
(quelle: zdh )

Im Jahr 2006 ist der Betriebsbestand im Handwerk weiter gestiegen, jedoch hat sich das Wachstum mit 2,6 % gegenüber den Vorjahren deutlich verlangsamt. Zum Jahresende waren bei den Handwerkskammern insgesamt 947.381 Betriebe eingetragen, damit 24.335 mehr als zu Jahresbeginn. Im Jahr 2004 war der Bestand um 40.712 Betriebe gewachsen (+4,8 %), 2005 noch um 35.746 Betriebe (+4,0 %). Dabei hat sich das Gründungsgeschehen insgesamt beruhigt: In allen drei Anlagen wurden weniger Zugänge registriert als in den Vorjahren, zudem ist die Anzahl der Löschungen in den B1-Handwerken stark gestiegen. Der Betriebszuwachs schwächte sich gegenüber den Vorjahren in allen drei Anlagen weiter ab, in absoluten Zahlen jedoch am stärksten in den B1-Handwerken.

Nach wie vor wird das Wachstum der Betriebszahlen im Handwerk von den zulassungsfreien B1-Handwerken bestimmt. Im Berichtsjahr 2006 sind die Betriebszahlen um 20.390 oder um 15,7 % auf 149.981 Einheiten angestiegen. Damit gehen knapp 84 % des gesamten Betriebszuwachses auf die Anlage-B1-Handwerke zurück. Allerdings hat das Wachstum spürbar nachgelassen, zumal im Jahr 2005 noch mehr als 27.000 zusätzliche Betriebe hinzugekommen waren (26,3 %). Die Verlangsamung resultiert aus zwei Entwicklungen. Zum einen ist die Anzahl der Löschungen gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen: Während im Jahr 2005 „erst“ 12.081 Abgänge aus den B1-Handwerken registriert wurden, haben im Berichtszeitraum 16.412 Inhaber ihre Eintragung löschen lassen. Drei Jahre nach der HwO-Novelle stoßen immer mehr Betriebe an ihre wirtschaftlichen und finanziellen Grenzen, bei vielen läuft zudem die Ich-AG-Förderung aus. Schon heute liegt die Löschungsquote (Abgänge bezogen auf den Gesamtbestand) fast doppelt so hoch wie im zulassungspflichtigen Handwerk und annähernd so hoch wie im handwerksähnlichen Gewerbe. Neben der starken Steigerung der Löschungen ist zum anderen die Anzahl der Zugänge leicht gesunken: Während im Jahr 2005 genau 39.104 Betriebe angemeldet wurden, waren es im Jahr 2006 noch 36.802. Das Gründungsgeschehen hat in Ostdeutschland stärker nachgelassen als im Westen, wo die hohe Anzahl von Gründern aus Osteuropa einen stärkeren Rückgang verhindert hat. Für die nachlassende Tendenz dürften die angezogene Konjunktur und die reduzierte Förderung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus mit verantwortlich sein. Trotz der Verlangsamung bleibt aber festzuhalten: Das Gründungsgeschehen in der Anlage B1 blieb auch im dritten Jahr nach der HwO-Novelle sehr dynamisch.
Wie in den Vorjahren resultiert das Wachstum in den B1-Handwerken vorrangig aus 7 Gewerken aus den Bau- und den baunahen Handwerksberufen sowie aus den Dienstleistungsbereichen: Sie machen 95,4 % des Betriebszuwachses in den B1-Handwerken und 79,9 % des Wachstums im gesamten Betriebsbestand aus. Dabei dominieren nach wie vor die Anmeldungen bei Fliesenlegern sowie bei den Gebäudereinigern die Entwicklung. Dort sind die Betriebszahlen binnen Jahresfrist um 9.658 Betriebe oder 25,2% (Fliesenleger) bzw. um 4.388 Betriebe oder 22,7 % (Gebäudereiniger) gestiegen. Kräftige Zuwächse verzeichneten zudem die Raumausstatter (2.438 Betriebe), Parkettleger (922), Fotografen (811), Damen- und Herrenschneider (685) sowie Estrichleger (543).
In der Anlage A ist der Betriebsbestand im Jahr 2006 wiederum leicht gestiegen, aber auch hier hat sich das Wachstum abgeschwächt: Nachdem im Jahr 2005 noch 4.978 Betriebe hinzugekommen waren, sind die Betriebszahlen im Berichtszeitraum 2006 um 3.156 oder 0,5 % auf insgesamt 603.443 gestiegen. Verantwortlich für das Wachstum in den A-Handwerken waren das Bau- und Ausbaugewerbe sowie die Gesundheits- und Körperpflegehandwerke. Dabei sind zusätzliche Betriebe am Bau vor allem in den Hoch- und Ausbauberufen zu registrieren: Zimmerer (+512), Maler und Lackierer (+470), Maurer und Betonbauer (+371) sowie Dachdecker (+333) und die im Elektro- und Metallgewerbe angesiedelten Installateure und Heizungsbauer (+515) sind absolut am stärksten gewachsen. Daneben hält auch das Wachstum in den Handwerken für Gesundheit und Körperpflege durch die ungebrochene Gründungsdynamik bei den Friseuren an: Am Jahresende waren 1.918 oder 2,7 % mehr Friseurbetriebe zu zählen als zu Jahresbeginn. Aber auch in den Gesundheitshandwerken ist trotz der wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen jeweils ein Plus festzustellen. Dem gegenüber setzt sich in anderen wichtigen Branchen der Anlage A der Konzentrationsprozess fort: Im Lebensmittelgewerbe hat sich die Betriebszahl binnen Jahresfrist um 1.297 oder -3,2 % auf noch 38.971 reduziert.
In den zulassungsfreien B2-Handwerken hat sich das Wachstum noch stärker verlangsamt: 669 zusätzliche Betriebe (+0,3 %) haben zu einem Jahresendbestand von 193.474 Betrieben geführt. Im Vorjahr war das handwerksähnliche Gewerbe noch um 1,9 % oder 3.589 Betriebe gewachsen. Ein starkes Wachstum weisen lediglich noch die Kosmetiker auf, bei denen wiederum 2.239 Betriebe hinzugekommen sind (+5,5 %). Zum Jahresende waren 43.204 Kosmetikerbetriebe eingetragen. Ein stärkeres Wachstum ist nach wie vor auch im Bereich „Einbau von genormten Baufertigteilen“ festzustellen, wo die Betriebszahlen um 914 Betriebe oder 2,0 % auf inzwischen 47.059 angestiegen sind, sowie bei den „Kabelverlegern im Hochbau“ mit einem Plus 228 Betrieben (8,7 %). Dem stehen massive Verluste am Bau und im Reinigungsgewerbe gegenüber, hierfür dürften insbesondere auch Umgründungen von der Anlage B2 in die Anlage B1 verantwortlich sein.
Nicht nennenswert waren weiterhin die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten in die Anlage A der Handwerksordnung: Ende Dezember waren lediglich 483 Betriebe registriert, damit 120 mehr als im Vorjahr.
Auch im Jahr 2006 konzentrierte sich der Betriebszuwachs damit im wesentlichen auf lediglich zwei Gewerbegruppen: Auf die Bau- und Ausbauhandwerke sowie auf die Gruppe „Gesundheit und Körperpflege, chemische und Reinigungsberufe. Allerdings hat sich in allen bisher das Wachstum treibenden Gewerken die Dynamik abgeschwächt.
Entgegen dem nachlassenden Betriebswachstum in allen drei Anlagen der Handwerksordnung hält der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk nicht nur an, sondern hat sich noch beschleunigt: Im Jahr 2006 wurden 11.604 neue Betriebe von Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen. 2005 waren es 10.735. Die absolut meisten Zugänge waren in der Anlage B1 zu registrieren (8.762), gefolgt von den handwerksähnlichen Gewerben mit 2.498 Betrieben. In den zulassungspflichtigen Handwerken waren dagegen nur 331 Zugänge zu beobachten. Zweieinhalb Jahre nach der Erweiterung der Europäischen Union hat sich abzüglich der erfolgten Löschungen ein Bestand von mittlerweile 22.538 Betrieben aus Mittel- und Osteuropa aufgebaut. Mehr als jeder vierte seitdem hinzugekommene Betrieb kommt aus den neuen Mitgliedstaaten, im Jahr 2006 sogar jeder dritte zusätzliche Betrieb. Dabei haben sich die osteuropäischen Inhaber fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt. 21.301 oder 94,5 % der Betriebe sind in den westdeutschen Kammerbezirken eingetragen, nur 1.237 oder 5,5 % in Ostdeutschland.
Auch für die Zukunft ist aus mehreren Gründen mit einem weiteren Nachlassen des Betriebswachstums zu rechnen. So dürfte zum einen die Anzahl der Existenzgründungen weiter sinken, weil ein großer Teil der an einer selbständigen Existenz im Handwerk interessierten Personen den Schritt in die Selbständigkeit mittlerweile vollzogen haben dürfte. Zum anderen wird auch im Handwerk die Anzahl der geförderten Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus im Zuge des seit August 2006 restriktiver angelegten Gründungszuschusses sinken. Und schließlich trägt auch die sehr positive wirtschaftliche Entwicklung zu wieder steigenden Erwerbsmöglichkeiten in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen bei, so dass die in den letzten Jahren zu beobachtende Flucht in die Selbständigkeit nachlassen dürfte. Neben der sinkenden Anzahl der Gründungen wird der Betriebszuwachs in der Zukunft aber auch deshalb zurückgehen, weil die Zahl der Marktaustritte einerseits aufgrund der geringen Bestandsfestigkeit vieler neu gegründeter Betriebe in den zulassungsfreien B1-Handwerken weiter steigen dürfte und für zahlreiche Betriebe in der kommenden Zeit finanzielle Erleichterungen wie die Ich-AG-Zuschüsse auslaufen. Andererseits dürften viele Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus wieder aufgeben werden, sobald sich ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis ergibt.

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"Daten und Fakten 2007" – ZDH-Flyer

Der ZDH-Flyer "Daten und Fakten" bildet eine Vielzahl von Handwerksdaten für die einzelnen Branchen und Bundesländer ab. Grafiken und Schaubilder veranschaulichen die wichtigsten mittelfristigen Entwicklungen der Handwerkswirtschaft sowie die Bedeutung des Handwerks für die Gesamtwirtschaft.

http://zdh.de/fileadmin/user_upload/publikationen/flyer/0611-FlyerDatenundFakten2007.pdf

http://zdh.de/fileadmin/user_upload/themen/wirtschaft/statistik/kennzahlen/Datenblatt_06.pdf

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